Mein Freund Peter Pan

Diese Geschichte ist aus dem Knastforum.de und wurde einstellt von seinem Freund “coolkurt”. Mit freundlicher Genehmigung von Peter Pan dürfen wir diesen Erlebnisbericht hier in diesem Block einstellen.
Peter Pan in Italien
Vorspann:
Wer wir sind und wie alles kam:
Ich, Coolkurt, der Schreiberling des Peter Pan und sein Freund, bin 50 Jahre alt und arbeite im Medizinbereich. […]

Diese Geschichte ist aus dem Knastforum.de und wurde einstellt von seinem Freund “coolkurt”. Mit freundlicher Genehmigung von Peter Pan dürfen wir diesen Erlebnisbericht hier in diesem Block einstellen.

Peter Pan in Italien

Vorspann:
Wer wir sind und wie alles kam:
Ich, Coolkurt, der Schreiberling des Peter Pan und sein Freund, bin 50 Jahre alt und arbeite im Medizinbereich. Ich habe 2 große Jungs und lebe seit 11 Jahren glücklich von meiner Frau getrennt. Seit 2 Jahren habe ich eine feste Freundin aus Thailand, die mich 2 mal im Jahr für jeweils 3 Monate besucht. Peter Pan ist mit einer Thai verheiratet, hat einen 6 jährigen Sohn und das 2. Kind, ein Mädchen, kommt in 4 Wochen zur Welt, während Peter in Italien im Knast sitzt. Peter ist ein Profi Tauchlehrer mit der höchstmöglichen Qualifikation „Divemaster“ und hat in Thailand ein Häuschen, indem ich immer Urlaub machen konnte. Seit 2 Jahren lebte er in Europa und betrieb mit Frau und Freund einen Thai Imbiss. Nebenbei jobbte er noch. So zumindest dachte ich mir das mit dem Nebenjob. Vielleicht wird Peter später selbst was zu seinen Nebeneinkünften erzählen. Ab nun hat Peter Pan das Wort. Er schreibt mir in seinen Briefen seine Geschichte ungeschminkt und ich stelle Sie Euch hier ins Forum.

Teil 1 Peter Pan

Nach etwa 13 Stunden Fahrt von Holland, Deutschland Österreich nach Italien bin ich um ca 16.00 Uhr am vereinbarten Treffpunkt, einer Autobahntankstelle zwischen Monza und Milano angekommen. Normalerweise hätte dort ein mir bekanntes Fahrzeug warten müssen, dem ich dann bis zum Übergabepunkt gefolgt wäre. Da dieses Auto jedoch nicht in Sicht war, habe ich getankt, geparkt und bin zum Zigaretten und Cola kaufen in den Shop und dann wieder zu meinem Auto gegangen. Auf dem Weg zum Auto sehe ich dann auch meinen Kontaktmann in seinem Fahrzeug. Ich setze mich in meinen Mitsubishi Sigma, schließe die Tür und noch bevor ich den Zündschlüssel umdrehen kann, reißen 2 Bullen in Zivil die Fahrertür auf, wärend 3 andere Zivibullen das Auto umringen. Die Knarre in der Hand. Die Frage nach den Ausweispapieren ist eine reine Farce. Der Bulle, Mimo ist sein Name, den werde ich nicht mehr vergessen, reißt mir mein Portemonaie aus der Hand und zerrt mich aus dem Auto. Hände auf`s Autodach, Beine auseinander und dann bekomme ich erst einmal ein paar Schläge ins Kreuz und Tritte in die Kniekehlen. Nachdem ich abgetastet wurde, werden mir die Hände mit Handschellen auf den Rücken gefesselt. „Dove la cocaina“? „Droga“? „Cocaina dove“? Auch ohne ein Wort italienisch zu sprechen, weiß ich sofort, das die Sache sehr schlecht steht. Wieso sprechen die Bullen sofort von Koks? Hier stinkt es ziehmlich nach Verrat. Alles dumm stellen hilft jedoch nichts. Ein Bulle steigt in einen silber-metallic- farbenen Kombi, einer nimmt mein Auto mit und die Anderen steigen mit mir in einen schwarzen S- Klssse Benz.Einer fährt, Mimo und ein Anderer mit mir auf der Rückbank. Dann holen sie diese Magnet Kojack Blaulichter raus und aufs Dach. Sirene an und dann geht’s im Karocho los. Erst wir im Benz, dann mein Auto und zum Schluß der Kombi. Die Superbullen rasen wie die Bekloppten durch den Berufsverkehr, als wäre ich Paplo Escobar persönlich. Kurz hinter der Tankstelle steht mein Kontaktmann auf dem Randstreifen und tut so, als ob er unter die geöffnete Motorhaube schaut. Als Mimo ihn sieht, meint er zu mir „Tu amico“? Was mir weiter zu denken gibt. Die Hände auf dem Rücken sitze ich also zwischen den 2 Bullen und werde angeschrien, angespuckt (alles ohne Schei..), mit den Ellbogen in die Magengrube und den Hals geschlagen .Immer wieder beleidigt „Bastardo“,“Figlio di patana“ und immer wieder nach Kokain gefragt. Spuchen, schlagen, beleidigen geht alles auf das konto von Mimo. Der andere Bulle hat sich ruhig verhalten. Nach einer langen halben Stunde und 3 beinahe Unfällen kommen wir dann zum Sitz der „Guardia Finanzia“. Als sich das elektrische Eisentor langsam öffnet und wieder schließt, ist mir klar, das offene Türen für mich für eine lange Zeit der Vergangenheit angehören werden.
Wie es weitergeht im nächsten Brief an coolkurt.
Haltet die Ohren steif, alles geht vorbei

Peter Pan in Italien Teil 2

Die Autos werden auf dem Hof des Geländes geparkt und es kommen noch ein paar Leute dazu Da stehe ich also in Handschellen vor meinem Auto und noch etwa 10 andere Leute.und immer wieder höre ich Cocaina, Cocaina. Deutsch spricht keiner, noch nicht mal ein paar Brocken Englisch. Dann kommt einer und hält mir ein Mobiltelefon ans ohr. Am anderen Ende eine Frauenstimme die halwegs Englisch spricht. Ich soll doch endlich sagen, wo das Cocain versteckt ist, sonst wird alles noch viel schlimmer. Ich antworte das ich keine Ahnung habe. Der Bulle redet kurz mit der Frau und dann ist das Gespräch beendet. Nun legen die Typen los und beginnen mein Auto zu zerlegen, zumindest soweit, wie Ihnen das ohne Spezialwerkzeug möglich ist. Taschen, kofferraum usw. sind vorher schon gründlich durchsucht worden. Also die Bullen schrauben und suchen und suchen….Türverleidungen ab und alles was sich lösen lässt. Inzwischen ist es denen wohl etwas mulmig, das vielleicht doch nichts im Auto ist. Und so werde ich während der Durchsuchung 3 mal in einen kleinen Raum geführt, in dem sich nur ein stuhl und ein kleiner Tisch mit Telefonbuch befinden. Immer nur 1 Bulle und ich. Ich sitze also auf dem Stuhl, Hände auf dem Rücken und dann geht die Fragerei nach dem koks wieder los. Als ich wieder nicht antworte, nimmt der Typ das Telefonbuch vom Tisch, fasst es mit beiden Händen am unteren Rand und haut mir das teil mit Schmackes auf mein linkes Ohr. Das hat natürlich auch Vorteile. Durch das Pfeifkonzert in meinem linken Ohr muß ich mir die Stimme dieses Ar…… nicht mehr anhören. Ab und zu kniet er sich mit seinem rechten Knie auf meine Eier und drückt mir mit der Polizeikelle leicht in die Gurgel. Als das alles nichts nützt werde ich nach draußen geführt und kann mir die Zerlegung meines Autos ansehen. Es geht dann noch 2 mal in den Raum nach dem gleichen Chema. Inzwischen sind etwa 2 Stunden vergangen. Die Polizei muß sich wohl 100 % ig sicher sein, das sie Koks finden werden. Sie geben aber erstmal die Suche auf. Ich darf wieder in den Benz steigen und die gleiche Kolonne rast mit mir durch die Stadt zu einer Autowerkstatt. Mimo kann es nicht lassen nich ständug im Auto zu traktieren. Die Zivilfahnder scheinen in der Werkstatt wohl bestens bekannt zu sein. Jegliche Arbeit wird sofort unterbrochen und mein Auto kommt sofort auf die Bühne. Aber auch von unten ist nichts zu sehen. Nachdem der Innenraum nochmals auseinander genommen wurde, kommt der Kofferraum dran. Erst mit roher Gewalt finden sie den doppelten Kofferraumboden und werden alle hektisch und zerren solange, bis sie endlich das Päckchen gefunden haben. Es handelt sich um ein 2,5 kilo Päckchen kokain. Mimos Gesicht wird zur Siegerfratze, er reißt mich ins Auto und prügelt auf mich ein, bis es den Kollegen zuviel wird und sie ihn davon abhalten mir den Rest zu geben. Dann gehen wir alle zu den Autos und fahren zurück zum Polizeigebäude. Natürlich wieder Beleidigungen, Schläge und Anspucken… was für Wichte ?
Nun geht es zum ausführlichen Verhör, aber davon mehr im nächsten Brief……

Teil 3 Verhör und Knasteinlieferung
Tja, wir kommen also zurück auf`s Bullengelände und ich werde in einen kleinen Raum geführt. Inzwischen ist es etwa 19.30 Uhr und dunkel. Ein Teil der Bullen die mich verhaftet haben, geht wohl nach Hause und ein anderer Zivi, der einigermaßen Deutsch spricht, kommt dazu. Es folgt eine Leibesvisitation (einmal kurz nackig machen) und dann geht die Fragerei los. Da „mimo“ wohl weg ist, geht`s diesmal ohne Gewalt. Als ich mich nach 1 Stunde immer noch weigere Angaben zur Sache zu machen, kommt noch ein letzter Versuch mir Angst zu machen. Der Übersetzer meint, das Strafmaß beträgt zwischen 10 und 20 Jahren und es hängt sehr von den Bullen ab, nach welcher Seite der Richter hin tendieren würde……

Da ich den Poliziottis eh nichts glaube, bleibe ich stumm, was letztendlich ein Fehler war. Zum Schluss werden mir dann ein paar Blätter vorgelegt, die mir übersetzt werden und die ich unterschreiben muß. (das mache ich vorsichtshalber mit der linken Hand) Eigentlich bin ich Rechtshänder , aber wer weiß, was da wirklich drinsteht? Dann werde ich zu meinem Auto geführt und aufgefordert, das rauszunehmen, was ich wohl im Knast brauchen werde. Zeit lassen Sie mir etwa 2 Minuten dafür. Dann geht es mit den 3 übrig gebliebenen in deren Auto und nach kurzer Fahrt (Blaulicht) in ein anderes Gebäude, wo ich fotographiert werde. Fingerabdrücke und der ganze erkennungsdienstliche Sch…..Auch das geht normal ab, ohne Mimo. Ich darf sogar diese Tusche von meinen Fingern wieder abwaschen. Inzwischen ist es 22.00 Uhr und jetzt geht es auf meine vorläufig letzte Tur in den Knast nach Monza. Auch diese Fahrt wieder mit Blaulicht…….

Die müssen doch echt nen Stich, oder Minderwertigkeitskomplexe haben. Nach ca 20 Minuten sind wir dann dort angekommen. Es geht in so ne Art Schleiße mit 2 Stahltoren und dann sind wir auf dem Knastgelände! Da es dunkel ist, kann ich nicht viel erkennen. Dafür aber umso mehr hören. Als die Häftlinge uns ( mit Fenster zur Ausfahrt) uns kommen sehen, geht ein höllischer Krach los. Schreien, Pfeifen und Schimpfwörter an die Bullen und permanentes Schlagen an die Eisengitter der Fenster. Hier und da fliegt auch ein wenig brennendes Papier oder sonst was aus dem Fenster. Die Bullen ziehen mich aus dem Auto und die Pforte geht auf, ich gehe rein und endlich………………… werden mir die Handschellen nach 7 Stunden entfernt. Gleich links neben dem Eingang werde ich noch in eine Zelle geführt(3×3m) plus Toilette und Waschbecken. Die Tür wird abgeschlossen und jetzt bin ich erst mal alleine mit meinen Gedanken und dem Krach von draußen. Ich zünde mir eine Zigarette an (durfte ich aus meinem Auto mitnehmen) und warte ab,…… wie es weitergeht? Da es in der Zelle kein Bett oder sonstige Schlafgelegenheit gibt, werde ich wohl die Nacht hier nicht verbringen müssen….?
So Ende vom Teil 3 in Teil 4 erfahrt Ihr, was im Knast in Monza so abgeht.

Teil 4 Knast in Monza Überwachungsabteilung
Nach etwa einer ½ bis ¾ Stunde, der Krach hatte sich inzwischen auch gelegt, öffnet sich die Tür wieder und es geht erneut in einen anderen Raum. Dort sitzt ein Beamter hinter einer Glasscheibe und ein zweiter durchsucht die Gegenstände, die ich mitnehmen durfte. Gürtel, meine Stiefel Schnürsenkel und alles was sonst irgendwie gefährlich sein könnte, wird aussortiert und den Rest stecke ich in einen schwarzen Plastiksack, den man mir zur Verfügung stellt. Meine Bank- und Kreditkarten usw. werden in einen gesonderten Umschlag gesteckt Mein Bargeld, ca 350.€uro, was ich vorher im Geldbeutel hatte, wurde bereits vorher von den Bullen beschlagnahmt. Das die Bankkarten bei mir bleiben wundert und freut mich zugleich.Ich dachte das die Fahnder nun alle meine finanziellen Transaktionen offen legen, soweit diese über die Bank gelaufen sind und ich über jeden Cent Rechenschaft ablegen muss. Zu meinem Glück stellt sich diese Befürchtung jetzt als falsch heraus. Danach werden noch mal Bilder von mir gemacht und elektronische Fingerabdrücke genommen. Der Wachhabende zeigt aufs Telefon und ich nicke. Als ich dann jedoch mit der Auslandsvorwahl 0049 beginne unterbricht er meine Anstrengungen und gibt mir zu verstehen, das ich nur innerhalb Italiens telefonieren darf. Super ! Als ich ihm daraufhin versuche klarzumachen, das ich in Italien niemand kenne, zuckt er mit den Schultern und bedeutet mir den Raum zu verlassen. Soweit zum Recht auf ein Telefonat……..

Auf dem Flur darf ich mir dann ein Paket nehmen, in dem Bettzeug, Zahnbürste, Pasta, Essgeschirr und ein paar Plastikschlappen enthalten sind. Dann werde ich noch zu meiner Zelle geführt, welche die Nummer 16 hat. Die Zelle ist 4 Meter lang und 2 Meter breit. Die Tür besteht aus Eisengittern mit einer Aussparung in Brusthöhe (Durchreiche). Vor dieser Tür gibt es noch eine 2. Tür, massiv Eisen, die Abends verschlossen wird. Die Eisentür hat ein Guckloch. Links vom Eingang befindet sich eine Toilette und ein Waschbecken, welche durch eine Wand und eine weitere Eisentür vom Rest der Zelle abgetrennt sind. Diese Waschecke muss man also in die 8 m2 Gesamtfläche mit einbeziehen. Ebenfalls links dahinter befinden sich 2 Eisenbetten übereinander mit Schaumstoffmatratze und Kissen. An der Machart kann man deutlich erkennen, das das obere Bett nachtäglich eingebaut wurde, was bedeutet, das diese Zellen ursprünglich als 1 Mann Zellen gedacht waren.
Gegenüber von den Betten sind 2 offene Eisenschränke übereinander angebracht, jeder etwa 80 cm breit und 100 cm hoch. Rechts davon 2 Eisentische, die an die Wand geschraubt sind, mit einer Sitzgelegenheit davor. Gegenüber der Tür gibt’s ein kleines Fenster und einem mickrigen Heizkörper am Fußende der Betten. Der Fussboden besteht aus Beton. Alles in Allem ein ziemlich trostloser Raum, aber das wird bei Euch oder Euren Angehörigen auch nicht anders sein oder gewesen sein……

Die Zelle war nicht belegt, so dass ich mir das obere Bett aussuchen konnte. Ansonsten war mein Zimmer sehr schmutzig. Essensreste und sonstiges Geschmiere an den Wänden und auf dem Boden. So saß ich nun hier in Italien mit ner halben Packung Zigaretten alleine in meiner Zelle und war keines Wortes dieser Sprache mächtig. Inzwischen war es wohl weit nach Mitternacht und so habe ich mir mein Bett gemacht und die Zelle , soweit es ging etwas sauber gemacht. Noch ein paar Zigaretten geraucht und bin dann, nachdem ich noch kurz zum Arzt gerufen wurde, der mich mal kurz angeschaut hat, endlich eingeschlafen.
Lange hatte ich noch nicht geschlafen, da geht die Tür auf, Licht an und man bringt einen neuen Zellengenossen. Sein Name ist Diego 47 Jahre alt und LKW Fahrer. Er ist mit 3 Kilo Koks im LKW erwischt worden. Die hat er von Holland nach Italien gebracht und ist dann wohl übers Handy von den Bullen klargemacht worden. Ein netter Kerl. Wir machen ein wenig Konservation mittels Zeichensprache und ein wenig Englisch, das er spricht. Wir rauchen noch eine, machen auch sein Bett und legen uns schlafen. Etwa alle 2 Stunden kommt ein JVA Typ und leuchtet uns mit der Taschenlampe ins Gesicht und schaut…..
Wie es dann in der „Osservatione“ weiterging und wie es im normalen italienischen knast zugeht erfahrt Ihr in Teil 5.

Teil 5 Überwachungsabteilung Monza
Rat-tat-tat-tat-tat 5 mal, kurze Pause und wieder Rat-….., längere Pause. Dann geht es wieder von vorne los, immer wieder. Was ist denn das bloß für ein Scheiß- Krach? Auch Diego scheint verunsichert unter seiner Filzdecke (ich glaub die Teile stammen noch aus dem 2. Weltkrieg?), Es ist etwa 7:30 Uhr und noch dunkel draußen. Der Krach kommt immer näher, bis man leichte Vibrationen spüren kann, dann geht unsere Tür auf und zwei von den Wach-Fuzzis kommen rein. Einer geht ans Fenster und haut mit einem Eisenstab wie ein Wilder an das Gitter. Daheeeer weht der Wind. Hätte ja sein können, das wir über Nacht die 3 cm dicke n Eisenstäbe durchgenagt hätten…… Mir kommt es wie eine Schikane vor….

In der Osservatione befinden sich 16 Zellen von denen sich je 8 gegenüber liegen. In der Mitte des 4 meter breiten Flurs ist jedoch eine Mauer mit einem durchgang, so kann man also die gegenüberliegende Zelle nicht sehen. Außerdem gibt es noch eine Dusche, maximal 3 Personen gleichzeitig, und einen kleinen Raum für den Arzt. Das Frühstück besteht aus Milch und Paninis, so ne Art Brötchen. Haben wir nur diesmal verpasst. Dazu hätten wir um ca 6:45 Uhr an der Tür stehen müssen.Sonst gibt es nix. Später haben wir dann ne Plastiktüte an die Tür gehängt. Da wird dann das Brot herein geworfen. Um Milch zu bekommen, musst Du allerdings aufstehen. Um 09.00 Uhr kommt dann ein Uniformierter vorbei und ruft „Area“ Das heißt soviel wie Freihof für Euch ( Anmerkung Coolkurt: Peter denkt bis hierher, das dies, www.Kastforum.de , ein Forum für Knastis und Exknastis, die „Erleuchtung kommt später, da das Modem ja so langsam ist.)
Das Area Freigang bedeutet weiß ich ja inzwischen, also gehen wir an die Tür und warten das man aufschließt. Die Freude über den Ausgang hält jedoch nur sehr kurz an. Der Freihof besteht nämlich aus drei Käfigen, mit einer Fläche von 4 mal 4 Metern. Drei 4,5 meter hohe Mauern und von vorne dicke Eisenstäbe….. wie….. im Zoo…..
WAS denkt Ihr?

Allerdings kann man den Himmel sehen, wenn man nach oben schaut. Pro Käfig sind etwa 10-15 Leute drin. Wie auch ich mit meinen Badeschlappen und friere mir die Zehen ab. Um 10.00 Uhr geht es dann wieder in die Zellen. Wer will, kann noch 1 Stunde länger bleiben. Aber mir ist es zu kalt. Um halb zwölf gibt es dann Mittagessen. Es ist zwar ausreichend, schmeckt aber nicht besonders. Was sich auch in der gesamten Zeit, die ich in Monza verbracht habe, nicht geändert hat. Von 13:00 bis 15:00 Uhr kann man in den Käfig und von 16:30 Uhr bis 18:00 gibt es „Sozialität“ , was bedeutet, das man in eine andere Zelle gehen kann. Bei Euch heißt das wohl Umschluß. Da ich niemand kenne, bleibe ich in meiner Zelle .Um 18:00 Uhr gibt es Abendessen, meistens Suppe und dann passiert nix mehr. Fernseher gabs auch nicht. Duschen kann man Morgens und Nachmittags zur gleichen Zeit, wenn es in den Käfig geht. Was mich immer amüsiert hat, und es immer noch tut, ist das die Jungs Alle beim Duschen die Unterhosen anlassen. Keine Ahnung ob die Angst haben,( Peter hat es entschärft, nachdem er Eure Posts bekommen hat), ihr „Ding“ zu zeigen, oder Angst vor sexueller Anäherung haben. Vielleicht kommt es auch daher, das so viele Moslems hier eingebuchtet sind. Nur 50 % Italiener, der Rest Marokkaner, Tunesier, Albaner und Rumänen. In allen 4 italienischen Gefängnissen, in denen ich bisher inhaftiert war, kein einziger Deutscher. Ich habe auch noch keine Schweizer, Holländer, Österreicher,Franzosen oder Spanier getroffen….. Die Kriminalität scheint aus dem Süden zu kommen: und nicht zu vergessen die Mafia. Ooooooh ich muss stoppen……. Post vom coolen Kurt ….Eure Fragen, ich werde alle beantworten, versprochen. Entscheidet selbst Peter Pan oder Capitano Hook ?

Teil 6 Knast in Monza Überwachungsabteilung und 1. Gerichtstermin
Teil 6 Knast in Monza Überwachungsabteilung und 1. Gerichtstermin

Es gibt einen „Lavorante“ (Arbeiter), in jeder Station. Der die Flure putzt, Müll einsammelt und den Häftlingen kleine Dienste erweist wie Zigaretten aus ner anderen Zelle besorgen und sonstiges. Einmal die Woche gibt`s „Spesa“. Man bekommt eine Liste von der man alles Mögliche bestellen kann, von Zigaretten über Getränke, sogar Bier und wein in begrenztem Maße Lebensmittel, Gemüse und Obst. Sogar Kochtöpfe Pfannen und kleine Gaskocher. Die alles natürlich nur, sofern man Geld auf dem Gefängniskonto hat. Da man mir jedoch keinen einzigen Euro gelassen hat, kann ich nicht mal Trinkwasser, geschweige denn Zigaretten kaufen. (Anmerkung Coolkurt: Peter raucht inzwischen nicht mehr, hat freiwillig über 10 kilo abgenommen und versucht sich gesund zu ernähren). So trinke ich Leitungswasser, schmeckt ätzend und ab und zu bietet mir Diego eine Zigarette an. Da seine Familie ganz in der Nähe wohnt, ist es für Ihn etwas einfacher und nach ein paar Tagen bekommt er sogar schon die Erlaubnis besucht zu werden. Die Besuchsregelungen sind großzügiger als in Deutschland, was ich so bei Euch im Forum lese. (Modem Coolkurt). Es stehen einem 6 Stunden pro Monat zu. Allerdings nur Familienangehörige, keine freunde. Diese dürfen dem Häftling Lebensmittel und Kleidung mitbringen, max 15 kilo pro Monat. Auch kann man hier 4 Pakete pro Monat empfangen, anstatt 3 pro Jahr wie in D. So vergeht also das Wochenende ohne besondere Vorkommnisse. Sonntags darf man nicht duschen. Warum weiß keiner……..

In den ersten Tagen und Wochen war ich sehr deprimiert, was natürlich noch verstärkt wurde, da ich mich mit niemandem unterhalten konnte. Telefonieren durfte ich auch nicht, da erst von der Botschaft die Bestätigung kommen musste, das die Nummern, die ich angegeben habe, auch meine Familienangehörigen sind. Außerdem muss natürlich auch Geld auf meinem Knastkonto sein. So vergingen bis zu meinem ersten Telefonat über 2 Monate. Montagmorgen gab es dann wieder Aktion. Um etwas sechs Uhr kommt ein Beamter an die Tür und bedeutet mir mich zu rasieren und anzuziehen. Es geht anscheinend zum Gericht und mein Herzschlag verdoppelt sich. Um sieben werde ich aus der Zelle geholt, muss aber in einer anderen völlig leeren Zelle noch 1 Stunde warten. Dann kommen 2 Beamte und legen mir Handschellen an. Es sind wieder die unbeweglichen Teile aus einem Stück. An den Handschellen ist ein etwa 1,5 m langes dünnes Stahlseil befestigt. Und so werde ich dann wie ein Hund in Richtung Ausgang gezogen bzw. geführt. Dort steht ein weiterer Beamter mit höherem Rang, wie man an seinen silbernen Schulterklappen sehen kann. Als dieser mich mit meinen Badeschlappen sieht, spricht er mit den beiden Beamten und man bringt mich zurück ins Magazin. Ich bekomme meine Stiefel an. Dafür danke ich im Stillen. Erstens ist es saukalt draußen und wer möchte schon in Badeschlappen vor dem Richter stehen. Nun sitzen wir in einem kleinen Gefängnisbus und nach etwa 20 Minuten erreichen wir das Gericht……

Im Gericht in Monza werde ich erst einmal in einen Raum geführt der bis unter die Decke mit alten Akten vollgestopft ist. Nach 20 Minuten ist es dann soweit und ich werde in den Gerichtssaal geführt. Dort sehe ich dann zum ersten Mal meinen Anwalt. Damit wir sprechen können, ist eine Frau dabei, die übersetzt. Doch zum Sprechen bleiben uns höchstens 3-4 Minuten, dann taucht die Richterin auf und wir stehen alle auf und wir müssen auf unsere Plätze. Der Staatanwalt ist weiblich und sieht ziemlich gut aus. Doch beim ersten Augenkontakt merke ich schon, das die Frau es nicht gut mit mir meint. Klar, ist ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, das ich verurteilt werde. Ich kann Ihre Abneigung förmlich spüren. Bei der Richterin habe ich ein besseres Gefühl. Dann wird vorgelesen, gesprochen, wieder gelesen, mein Anwalt unterhält sich kurz mit der Staatsanwältin. Die Richterin sagt was und die Dolmetscherin übersetzt für mich, so gut sie kann. Ich werde aber das Gefühl nicht los, das mir die Hälfte entgeht, da die Übersetzerin nicht Schritt halten kann. Dann müssen alle aufstehen und die Richterin verlässt den Saal. Ich komme wieder in den „Aktenraum“ und mein Anwalt und die Dolmetscherin kommen nach. Mein Anwalt lässt mich fragen, ob ich mit einem Soforturteil einverstanden bin. In diesem Fall würde die Haftstrafe um 1/3 verkürzt. Ich frage den Anwalt nach seiner Meinung und er rät mir, darauf einzugehen. Da ich ein gutes Gefühl bei der Richterin habe, schlage ich ein. Wieder im Gerichtssaal kommt die Enttäuschung. Die Richterin kann, oder will jetzt nicht richten. Der neue Termin wird für etwa in 2 Wochen festgelegt. Beim rausgehen der Richterin sehe ich, das Sie einen kurzen schwarzen Rock und schwarze Netzstrümpfe unter Ihrer Robe trägt. Warum auch nicht…..

Für mich geht es zurück nach Monza in den Knast, ich wieder meine Stiefel abgeben muss. Was sonst noch in der „Osservatione“ passiert und mein Urteil im nächsten Teil 7

So long

Euer

Käpt`n Peter

Teil 7 Knast in Monza Überwachungsabteilung und 2. Gerichtstermin
Teil 7 Knast in Monza Überwachungsabteilung und 2. Gerichtstermin

Mit Diego kam ich sehr gut zurecht und fing auch schon an italienisch zu lernen. Leider, für mich, wurde aber Diego nach 1 Woche nach oben auf eine der normalen Abteilungen verlegt und dann gings los…. Zuerst brachten sie dann einen Marokkaner, der fast immer nur weinte und jammerte. Am gleichen Tag wurde dann noch ein dritter in unsere Zelle gebracht. Der musste mit der Matratze auf dem Boden schlafen. Wie sich rausstellte waren Diego und ich nur aus zufall „nur“ zu zweit in der Zelle, den fast alle anderen Zellen sind mit 3 überbelegt. Normal bleibt man etwa 1 Woche in der Überwachung, dann hat der Richter entweder eine Freilassung angeordnet, oder man wird nach oben verlegt. Oder man hat Mist gebaut und muß hier bleiben. Mich haben sie 6 Wochen dort gelassen, bis mir einer der Wächter geholfen hat einen Antrag zu stellen für in eine andere Abteilung zu kommen.In diesen 6 Wochen habe ich einiges an Mist erlebt. Jeden 2. Tag einer raus und ein neuer rein. Dann waren für 10 Tage 2 Typen bei mir, die sie von oben nach unten verlegt haben, „zur Bestrafung“. Ein glatzköpfiger tätoowierter Schlägertyp, Italiener und ein langhaariger Rumäne (ganz ok), beide wegen Schlägereien. Mit dem Glatzkopf konnte ich wenigstens etwas italienisch lernen. Als die wieder weg waren, kam ein junkie, der sich kaum auf den Beinen halten konnte und der jeden Tag so mit Metadon abgefüllt wurde, das er nur noch lallte. Dann wieder Araber die nachts um 04.00 Uhr aufgestanden sind um gen Mekka zu beten. Dann einer der sich in der gesamten Zeit weder geduscht, gewaschen, geschweige denn die zähne geputzt hat. Außerdem wird auch nicht nach schwere der Tat getrennt. Betrüger, Diebe, Mörder, Bankräuber und dealer, alles kreuz du quer verteilt. Die einzigen, die eine eigene Abteilung haben, waren die Hunde, die sich an Kindern vergriffen haben und Verräter. Die waren zusammen auf dem „achten Stock“ eingesperrt, da mit denen niemand etwas zu tun haben wollte. Es gibt aber auch Gutes zu erzählen……

Zum Beispiel der Pfarrer. Der kam einmal die Woche an jeder Zelle vorbei und hatte für mich und die Anderen immer ein tröstendes Wort übrig. Und man glaubt es kaum, der sprach ein wenig deutsch. Er hat mir später sogar ein Wörterbuch besorgt. Dann gabs auch noch die Marisa. Eine etwa 60 jährige freiwillige Sozialhelferin. Sie machte ihre Runde ein bis zweimal die Woche. Die hatte mal was Zahnpasta, Schampoo oder eine Briefmarke übrig.so das ich endlich mal mit meiner Familie in Kontakt treten konnte. Später hat sie mir dann andere Schuhe besorgt, aber das dauerte über einen Monat. Größe 44 kommt in Italien nicht so oft vor. Neue schuhe hat sie ja nicht kaufen können. So ging die zeit dahin mit immer wechselnden Zellengenossen, und dann war es soweit…. Montags Morgen den 08.11.2004 ging es dann zum 2. mal zum Gericht nach Monza. Genau wie beim ersten Mal erlaubte man mir meine Stiefel zu tragen. Aber dieses Mal war ich viel nervöser, da ich wusste, das meine Frau und mein Vater anwesen sein werden…….

Als wir ins Gerichtsgebäude rein gehen, habe ich sie auf der Straße gesehen: Mein Vater, meine Frau und Andy, ein Freund, der sie nach Italien gefahren hat. Ich versuchte mich bemerkbar zu machen, was aber sofort von den Bullen unterbunden wurde. Als mich meine Angehörigen sehen, reicht es aber nur zu einem kurzen Winken, den nun bin ich schon wieder im altbekannten Aktenraum angelangt. Kurz danach kommt auch mein Anwalt und die Übersetzerin herein. Der Anwalt meint, das heute das Strafmaß festgelegt wird, da Richter und staatanwalt mit dem verkürzten Verfahren einverstanden sind. Dann war unser Gespräch schon wieder beendet, da wir in den Gerichtssaal mussten. Im Saal nahm man mir die Handschellen ab. Und dann sehe ich meine Familie am Ende des Saales sitzen….. und ich konnte die Tränen in Ihren Augen sehen. Dann kam der Richter, leider nicht mehr die sympathische Richterin. Der Richter, ein etwa 55 jähriger schnauzbärtiger, böse dreinblickender Mann. Die Staatanwältin war die Gleiche, wie beim 1. Mal.

Dann alles wie gehabt: Anwalt, Staatanwalt und Richter reden hin und her und es wird vorgelesen, was besprochen wurde. Die Dolmetscherin gibt sich Mühe und übersetzt mir. Mich hat man kaum gefragt und auch keine Zeugen gehört. Nach etwa 10 Minuten ist der Spuk vorbei und ich muss wieder in die Aktenkammer. Nach 20 Minuten kommt der Anwalt mit Übersetzerin und teilen mir das Urteil mit: 5 Jahre und 6 Monate und 100.000.- StrafeEuro

Das hat mich dann doch sehr mitgenommen. denn der Anwalt fügte sofort hinzu, das er mir rät in die Berufung, „Appello“ zu gehen. Dort könnten wir es vielleicht schaffen 1-1,5 Jahre zu drücken. Dann holten mich die Beamten wieder in den Flur. Meine Familie stand am Ausgang und beim vorbeigehen, erlaubte man mir Frau und Vater kurz zu drücken, soweit das mit Handschellen möglich ist. Man zog mich wie einen Hund am Stahlseil in den Bus. Mein Vater rief mir noch zu: „wir versuchen Dich morgen zu besuchen“. Und schon setzte sich der Bus in Bewegung. Aus dem Besuch wurde leider nix, da Frau und Vater die Besuchserlaubnis verweigert wurde. Wie es im „normalen Knast“ aussieht, erfahrt Ihr in Teil 8 Euer

Peter Pan

Teil 8 Knast in Monza „Osservatione“ und Verlegung

So kam ich dann also wieder zum Knast zurück und war einerseits sehr deprimiert wegen der Höhe der Strafe 100.000.-€uro. (Anmerkung Coolkurt: „2 Posts „hiervor hat Bernhard Diener uns erklärt, warum ev. die Strafe, wir werden Peter fragen). Andererseits war ich aufgeregt in der Hoffnung meine Frau und auch meinen Vater sehen zu können. (Anm. CK ich habe Peter früher noch nie aufgeregt erlebt, bei nix) Als ich meine Stiefel wieder abgeben musste, habe ich mich beim Ausziehen unglücklich bewegt und mir einen Nerv im Rücken, Bandscheibe, eingeklemmt . So bin ich dann zu meiner Zelle gehumpelt und habe mich auf`s Bett gehievt und gehofft, das die Schmerzen nachlassen. Ich habe bereits 2 Bandscheiben Operationen hinter mir und kann gerne auf weitere Probleme verzichten. Doch weder die Schmerzen ließen nach, noch wurde ich in den Besuchsraum gerufen. Im Gegenteil die Schmerzen wurden schlimmer, so dass ich mich nur noch zum pinkeln vom Bett erhob. Als Abends, so um 19.00 Uhr der „Apothekenwagen“ vorbeikam, der kommt regelmäßig morgens und abends vorbei, um den Inhaftierten ihre Medikamente für ihre Therapie, und ich nach einem Schmerzmittel fragte, sagte mir die „nette Dame“ das ich erst mal einen Antrag stellen muß, um zum Arzt vorgelassen zu werden. Dies habe ich auch dann sofort getan mit Hilfe des „Lavorante“, ihr wisst, der Gefangene der im Flur arbeitet. Auch am nächsten Tag wurde ich nicht in den Besuchsraum gerufen und vom Arzt war ebenso wenig zu hören…..
Am nächsten Tag stellte ich einen erneuten Antrag, doch einen Arzt bekam ich nicht zu sehen. Das war dann genau der Tag als der Glatzkopf in meine Zelle kam. Ich lag mit Schmerzen im Bett, war deprimiert wegen der Höhe der Strafe und noch deprimierter, weil meine Familie nicht vorgelassen wurde, weil ich kein italienisch sprechen konnte, weil es draußen grau, eiskalt und ständig regnete. Und dann kommt dieser **ups**Wortfilter aktiv* in unsere Zelle und meint er muß den Dicken machen, Befehle geben usw. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Glücklicherweise gab es aber keine wirklichen Probleme. Nach etwa 8 Tagen war ich dann wieder soweit ok. Und hatte mich soweit an die Zustände hier drin gewöhnt. Es war meiner Familie erlaubt worden, bei den erfolglosen Besuchsversuchen mir wenigstens Geld auf mein Knastkonto zu zahlen. So konnte ich am nächsten „Einkaufstag“ im Knast Zigaretten kaufen und brauchte nicht mehr das ekelige Leitungswasser zu trinken…..
Inzwischen waren auch einige Briefe angekommen. Ich fühlte mich nicht mehr ganz so einsam und abgeschnitten von allem was mir lieb ist . Etwa 4 Wochen vor meiner Verhaftung hatte ich Flugtickets nach Thailand für meine Familie, meinen Vater mit Thai Ehefrau und mich gekauft. Ende November wären wir alle gemeinsam in den Urlaub geflogen. Ich habe meine Frau und meinen Vater gebeten trotzdem nach Thailand zu fliegen. Mein Vater war nicht davon zu überzeugen. Er meinte, er könne mir besser helfen, wenn er in Deutschland bleibt. Meine Frau konnte ich schließlich überzeugen. Mit dem kleinen Sohn in unser Haus in Thailand u gehen. Bevor hier wieder schlechte Stimmung aufkommt: Das Häuschen hatten wir schon vor 8 Jahren, also lange, bevor meine „Drogenkarriere“… günstig kaufen können….

Das meine Frau und Sohn nach Thailand flogen, darüber war ich froh, sie hätten mir eh nicht helfen können. Und Post aus Thailand nach Italien war genauso gut möglich….
Ich wartete weiter auf Besuchs und Telefonerlaubnis. Was ich aus unseren Briefwechsel erfuhr war: Beim ersten Treffen vor Gericht mit meinem Anwalt hatte ich diesem natürlich die Adresse und Telefonnummer von zu Hause gegeben. Die Dolmetscherin rief zu Hause an und meinte, das meine Frau erst mal 3500.- Euro überweisen sollte, bevor etwas passiert
Ein paar Tage vor meinem 2. Prozess, Apello, hat die Dolmetscherin dann meinen Vater angerufen und mitgeteilt das der Anwalt nochmals 2500.- Euro zahlen müsste, sonst würde er nichts machen. Das geld wurde ihm dann noch vor Przessbeginn ausgehändigt. Ein paar Tage später rief wieder die Übersetzerin bei meinem Vater an und meinte, das sie einen Anwalt kennt, der nicht so teuer ist. Darauf hin wurde der Anwalt gewechselt. Der nicht so teure Anwalt hat inzwischen auch 4800 .-

Die Zeit in der Überwachungsabteilung schleppte sich so dahin. Ende November brachte mir Marisa dann sogar richtige Schuhe, habe mich echt darüber gefreut. Meine Mitgefangenen wechselten fast täglich. Da die meisten Neulinge keine italiener waren, machten meine italienisch Kenntnisse keine Fortschritte. Es wurde etwas besser, nachdem mir der Gefängnisspfarrer ein Wörterbuch geschenkt hatte. Ja und dann… in der ersten Dezemberwoche kommt zufällig der eine Beamte, der am Abend meiner Einlieferung Dienst hatte und schaut ganz verdutzt, das ich mich immer noch in der „Osservatione“ befinde. Wenig später kommt er mit einem Formular zurück, das er schon ausgefüllt hat, und forderte mich auf nur noch zu unterschreiben, was ich sofort tat, da ich vertanden hatte, das es um eine Verlegungf „nach oben“ ging.
Alles weitere in Teil 9

Peter Pan Knast in Monza Der Alltag. Teil 9
Es dauerte dann auch nur 2 oder 3 Tage bis morgens einer der Beamten mir zu verstehen gab, ich solle meine Habseligkeiten in einen Plastikbeutel packen und mich bereit halten. Gepackt war schnell und ne halbe Stunde später befand ich mich auf dem Weg nach „Oben“. Es ging durch lange, kalte Betongänge, alle Nase lang eine Gittertür, die ein anderer Wächter aufschließen musste und schließlich bin ich 2 Stockwerke höher in der sogenannten“4 ten“. Hier sieht es ähnlich aus, wie unten, nur das alle 25 Zellen auf der gleichen Seite eines langen Ganges liegen. Vor zelle 10 bleiben wir stehen und ich bin etwas nervös, da man ja nie weiß, bei wem man landet……….
Der Wärter schließt auf und dann betrete ich mein „neues Zuhause“ in dem sich aber zu meiner Überraschung schon 2 Leute befinden. Wie sich herrausstellt ist nicht nur die Observation überfüllt, sondern alle Abteilungen überbelegt. Wie ich inzwischen weiß, ist das in ganz Italien so. In San Vittore war es am Schlimmsten, aber davon später. Die Zellen sind genauso groß, oder klein, wie die bereits beschiebenen, also 4 mal 2 meter incl Toilette. Drinnen stelle ich mich erst mal vor und erfahre das die 2 Antonio und Piero heißen. Beide sind in meinem Alter und zu meiner großen Freude Italiener.. Hoffentlich kann ich jetzt endlich meine it. Sprache verbessern. Antonio saß wegen Drogenhandel, nicht Drogenschmuggel, wie bei mir, wird anders bestraft. Und Piero wegen Autoschieberei nach Osteuropa. Beide sind auf den ersten Blick in Ordnung. Da die beiden schon länger in dieser Zelle sind und sich bei uns Gefangenen mit der Zeit die Dinge und Besitzgegenstände häufen, war nicht mehr viel Platz für meine Sachen. Aber ich hatte ja eh kaum was. Da die Zellen alle ehemalige Ein Mann Zellen waren, und später mit einem 2. Bett ausgerüstet wurden, muß der 3. Mann, in diesem Fall ich, mit Matratze auf dem Boden schlafen.Das Fußteil der Matratze wird unter unter Stockbett geschoben und mit dem Kopf liegt man am Spind. Man liegt genau unter dem Fenster, durch welches in der Nacht eine ganze Menge kalte Luft reinkommt, da die Fenster mehr als undicht sind. Im Dezember war das besonders kalt. Tagsüber schiebt man die Matratze unters Bett, damit mehr Platz in der Zelle ist. Das hat natürlich zur Folge, das man von morgens um 7 bis abends um 9 nur rumstehen oder sich auf einen der beiden Eisenhocker setzen kann. Da wird einem der Tag verdammt lange, so ganz ohne Nickerchen zwischendurch.
To be continued

Knast in Monza der Alltag Teil 10
Antonio hatte Arbeit (eine seltenheit im Knast in Italien), so waren er und ein zweiter „Lavorante“ dabei die Zellen unserer Abteilung zu renovieren. In der 4 ten war es zwar sauberer als in der „Osservatione“ aber alles in allem doch ganz schön heruntergekommen. Besonders die Duschen, Schimmel. Lose Fliesen, freihängende Kabel, der Lüftung und Rost ohne Ende. Die Zellen selbst wurden von den Bewohnern recht sauber gehalten. In vielen Zellen der normalen Abteilungen wird auch richtig gekocht. So auch in der unsrigen. Dafür war Piero zuständig. In der Zelle gab es 3 Töpfe 1 Pfanne und 3 Campinggaskocher. Mir passte das eigentlich nicht so sehr. Erstens ist der Einkauf im Knast total überteuert und zweitens war ich beim Abnehmen und hatte seit meiner Verhaftung schon etwa 6 Kilo verloren. Andererseits kann man sich schlecht ausschließen wenn man auf so engem Raum zusammengepfercht ist. Pieros Kochkünste waren recht gut, wahrscheinlich war er auch deshalb so beliebt und Antonio meinte: „Wenn sie uns schon die Freiheit nehmen, so essen wir doch wenigstens wie in Freiheit“ und schenkte Wein nach. Ich wollte nicht gleich alles am ersten Tag ablehnen und habe also mit den Beiden gegessen und etwas Wein getrunken. Um 21.00 Uhr habe ich dann meine Matratze hervorgeholt und mein Bett gemacht und dann noch etwa 1 Stunde Fernsehen geschaut. Hier gibt es fernsehen im Unterschied zu vorher. Während der Nacht wurde es dann sehr kühl auf dem Boden, aber es war auszuhalten. Was hätte ich auch sonst machen können? Fragen, ob ich mit ins Bett darf? (Kleiner Scherz am Rande

Gegen halb Acht kamen dann die Wachen rein und haben wie „unten“ jeden einzelnen Gitterstab abgeklopft. Meine Hoffnung, diesen Krach hier oben nicht zu hören erfüllte sich nicht. Als ich meine Matratze dann wieder verstauen wollte, stellte ich fest, das die Unterseite klitschnass war. Die Körperwärme von oben und der kalte Boden hattenn die Feuchtigkeit kondensieren lassen. Das blieb auch den Rest des Winters so, so dass ich immer ein feuchtes Bett hatte. Was solls andere haben überhaupt kein Bett dachte ich mir, Thema erledigt. Der Tagesablauf war gleich wie in der Osservazione nur gabs beim Hofgang keine Käfige, sondern einen etwa 15 mal 20 meter großen Betonhof mit 5 Meter hohen Mauern drumherum. Nicht unbedingt erfrischend fürs Gemüt, aber allemal besser als der Käfig. Morgens gabs sogar welche, die ihre Runden gedreht haben und ich nahm mir vor auch regelmäßig zu laufen, jetzt, da ich mich endlich mal bewegen konnte. Es gab noch einen Toiletten / waschraum, aber so was Schutziges habe ich no nie gesehen. Da hatte noch nie jemand sauber gemacht. Sitzgelegenheiten gibt es nicht, so stehen die Häftlinge an der Wand oder laufen rum. Bei Regen gibt es keine Möglichkeiten sich unterzustellen, daher ist der Hof an Regentagen so gut wie leer. Mit dem Joggen hätte ich am Liebsten gleich losgelegt, aber ich hatte ja nur die Straßenschuhe von Marisa und die waren denkbar ungeeignet zum Laufen auf Betonboden. So habe ich erst mal in der Zelle so gut es ging, Sport gemacht. So etwa nach 10 Tagen, wir hatten uns gerade gut aneinander gewöhnt, kommt einer der Beamten und sagt ich solle meine Sachen packen und spricht noch kurz mit Piero und Antonio. Kurz darauf machen die beiden mir klar, das ich die Zelle wechseln muß, da der Typ, der vorher mit denen in der Zelle war, nach seiner Verhandlung in Neapel zurück gekommen ist und Seine Zelle wieder haben will. Wie ich später erfahren sollte, hat er schon 10 Jahre hinter sich und noch 2 Jahre vor sich und aus diesem Grund gewähren die Wächter ihm diesen Wunsch. Also alles wieder in einen schwarzen Plastiksack und es geht zu Nummer 16 ein paar Türen weiter. Auch diese Zelle ist natürlich schon mit 2 Leuten belegt und ich darf mich wieder am Boden einrichten. Diesmal bin ich mit 2 Rumänen zusammen. Einer 19 Jahre alt und spricht nur rumänisch. Der andere ist Mitte 20 und kann sogar etwas italy und englisch. Da die Beiden keinen einzigen Cent auf ihrem Gefängnisskonto haben, hat sich das mit dem Kochen, Wein trinken und so weiter. Das passt mir persönlich besser in den Kram. Die 2 Jungs, Daniel und Gabriel sind soweit ganz ok. Sie sitzen beide wegen Betrug (Kreditkarten gestohlen) Gabriel hat noch 2 Monate und Daniel noch 2 Jahre. Sieht ganz so aus, als ob ich im Januar ein Bett bekomme. Hier ging es zwar mit italienisch lernen nicht weiter, aber im Endeffekt, war es hier besser, als vorher mit den Italienern. Die Jungs waren lockerer. Die italiener dagegen etwas steif. Vielleicht liegt es auch daran ,das ich mich selbst eher noch als 20 Jahe denn als 40 jähriger fühle. Jedenfalls haben wir zusammen trainiert und ich konnte einfacher als vorher meine Diät halten

Knast in Monza der Alltag und Tsunami Teil 11
Aber auch hier blieb ich nur etwa 2 Wochen, da Daniel von Heute auf Morgen verlegt wurde. Keiner weiß warum und wohin Gabriel stellte darauf hin einen Antrag um in den 2. Stock zu kommen,da dort wohl ein Rumäne saß, den er kannte. Die beiden Jungs von nebenan (Zelle 17) fragten daraufhin, ob ich zu Ihnen kommen wolle. Darüber habe ich dann ne Nacht geschlafen und mich dafür entschieden. Dort hatte ich zwar auch kein Bett, wusste aber mit wem ich es zu tun habe. Wäre ich in der 16 geblieben, wäre ich möglicherweise wieder mit Arabern zusammen gekommen, und darauf hatte ich keinen Bock mehr nach meinen Erfahrungen in der Osservazione. Am 18. Dezember wurde ich dann also erneut verlegt in der Hoffnung, das es jetzt endlich mal etwas kontinuierlicher zugehen würde und ich mich allmählich an meine neue Umgebung zu gewöhnen lerne. Doch es kam alles ganz anders. Ich war also wieder bei 2 Italienern gelandet. Luca und Giulio. Luca ist knapp 2 meter groß und hat früher Aikido gemacht. Giulio war früher Boxer. Luca ist ein schlauer Kerl, der vieles weiß und mir beim italienisch lernen geholfen hat. Giulio hingegen ist etwas einfacher gestrickt, aber ein guter Kamerad. Luca besaß wohl früher ein Restaurant in Mailand und war ein echt guter Koch. Ich habe gelernt, wie man eine gute Bolognese, Carbonara, Tira Misu und andere Gerichte stilecht zubereitet

Morgens von 9 uhr bis 10 oder 11 Uhr durften wir regelmäßig in einem kleinen Raum gehen und dort Sport und Gymnastik treiben- Dort habe ich gesehen wie man 600 Sit ups ohne Pause machen kann. Von dem Tage an habe ich hart trainiert und schaffe jetzt 400 Sit ups am Stück. Hört sich viel an, aber wenn man mal dabei ist, dann relativiert sich das. Irgendwie. Inwischen hatte ich 8 Kilo abgenommen, was aber durch die Kocherei in der Zelle dann stagnierte. So kamm dann Weihnachten und Neujahr an denen wir es uns mit etwas Wein und gutem essen haben gutgehn lassen. Zum 07.01.2005 stand ja der erste Besuch meines Vaters an, auf den ich mich natürlich freute, aber den ich auch mit sxchlechtem Gewissen erwartete. Vorher passierte diese schreckliche Sache mit dem Tsunami. Ich kann mich noch absolut genau daran erinnern, als am 26.12.2004 in den Nachrichten die ersten Berichte auftauchten. Anfangs noch eher harmlos und sich dann von Stunde zu Stunde überschlagend. Hinweis vom CoolKurt: (Peter hatte für diese Zeit einen Thailandbesuch für die ganze Familie gebucht. Seine Frau und der Sohn und auch meine Freundin waren zu der zeit auf Phuket in Patong. Gott sei dank liwegt Peters Häuschen auf einer kleinen Anhöhe vom Strand entfernt).
Bis zum Abend war die ede von 70.000 Toten, leider sollte sich die Zahl später auf über 300.000 Opfer erhöhen. Ich erfuhr das auch in Phuket die Zahl der Toten von mehreren Hundert bis 3000 Toten schwankte. Und genau dort waren meine Frau und mein Sohn. Erlaubnis zum telefonieren hatte ich noch keine und so machte ich mir die allerschlimmsten Gedanken, das auch meine Familie unter den Opfern sein könnte. Am nächsten Tag überschlugen sich die Nachrichten und ich wurde immer unruhiger. Ich war wirklich der Verzweiflung nahe. Luca half mir einen Antrag zu stellen, um ein außerordentliches Telefonat führen zu können. Leider durfte ich auch am 2. Tag nach dem Tsunami nicht telefonieren.. Die Meldungen wurden immer schlimmer und ich konnte an nichts Anderes mehr denken…..

Am dritten Tag meinte Luca: Lasst uns alle 3 gemeinsam beten, was wir auch taten. Alle drei knieten vor dem untersten Bett, beteten etwa eine halbe Stunde laut vor uns hin. Heute denke ich manchmal, das der Preis für Ihr Leben, vielleicht das Leben unserer Tochter war. Wer weiß das schon…. Am Abend des gleichen Tages wurde mir dann die erlaubnis erteilt mit meinem Vater zu telefonieren. Als es soweit war, ging ich mit zitternden Knien und einer bis dahin nicht gekannten Anspannung zum Telefon. Nach mehrmaligem Klingeln hob endlich mein Vater ab, der natürlich nicht wissen konnte, das ich anruf. Schon am Klang seiner Stimme spürte ich, das alles in Ordnung war, bevor ich Ihm einzelne Fragen stellen konnte. Mir war und das fühlte ich körperlich, nicht nur im Kopf, als ob ein ganzes Gebirge von mir abfallen würde.
Während der Rückkehr zu meiner Zelle beglückwünschten mich verschiedene Häftlinge, sie konnten wohl an meinem Gesichtsausdruck erkennen, wie groß meine Erleichterung war. Selbst die wachen wurden freundlich. In meiner Erleichterung verflogen die nächsten Tage nur so. Tja und dann stand der 7. Januar der Erste Besuch vor der Tür….

Knast in Monza Teil 12 Alltag und Besuch
Also, es war der 7. Januar 2005 und ich wurde morgens sehr früh wach, da ich ja nicht genau wusste, wann ich gerufen werde. Ich wollte mich in aller Ruhe rasieren, duschen usw. Hoffentlich hat alles funktioniert denke ich, nicht das wieder irgendwas schief geht. Aber meine Befürchtungen sind grundlos. Um halb neun holt man mich aus meiner Zelle und es geht wieder durch das halbe Gebäude, bis man mich in einer Wartezelle mit etwa 15 anderen Mitgefangenen einsperrt, die auch auf Besuch warten. Nach einer weiteren halben Stunde und einer oberflächlichen Durchsuchung geht es dann in den Besuchsraum. Eigentlich sind es 2 Räume, die in der Mitte durch einen weiteren kleinen Raum getrennt sind, in dem ein Aufpasser auf einem erhöhten Podest sitzt und uns durch Glasscheiben beobachtet. In jedem Raum gibt es 8 Tische und als wir reingeführt werden, warten die Angehörigen schon auf uns Gefangene. Ich gehe auf meinen Vater zu, wir umarmen uns und setzen uns dann hin. Die Zeit verging wie im Fluge. Ich konnte nur sagen: „Hut ab vor meinem Vater, auf den kann ich echt stolz sein“ Keine Vorwürfe, sondern echte Hilfe. Wie wir das Beste aus der Situation machen können. Man hatte uns 2 Stunden Besuchszeit erlaubt. Doch nach der ersten Stunde mussten wir dann erst alle wieder in die Warteräume und nach einer halben Stunde gings dann wieder zurück. Bei diesem ersten Treffen teilte mir mein Vater auch mit, das meine Frau schwanger sei. Hätte ich das bloß schon im September gewusst. Ich bin mir sicher, das ich die Fahrt nach Italien nicht gemacht hätte. Aber nun war es zu spät um solche Spekulationen anzustellen. Die Nachricht jedoch gab mir unglaublich Auftrieb. Wir bekommen noch ein Baby !!! Plötzlich sah ich meine, unsere Zukunft nicht mehr so düster. Es war, als wäre ein neuer Stern am dunklen Horizont erschienen. So machten wir Pläne für die Zukunft, besprachen wie der Anwalt vorgehen soll und schon war die 2. Stunde auch schon rum. Der Abschied war sehr schwer, aber da führte ja kein Weg dran vorbei. Zurück in der Zelle machte ich mir Vorwürfe wegen dem Leid, dem Ärger der Trauer, dem Stress und all dem anderen Mist, den ich meiner Familie aufgehalst hatte. Aber dafür war es jetzt leider zu spät…….. Ich schrieb auch gleich an meine Frau, die ja mit meinem Sohn in Thailand war. Leider kamen von Ihren 10 Briefen nur 2 bei mir an ( nach 7 Wochen) und genauso wenig Briefe von mir kamen bei Ihr in Thailand an, Dafür bin ich der italienischen Post heute noch dankbar. Meine Frau hatte inzwischen die Flugtickets umgebucht und kam schon am 22. Januar zurück, statt Ende Februar. Aus einem Brief meines Vaters erfuhr ich das mein nächster Besuch schon am 28. Januar sein würde. Endlich würde ich also meinen Sohn und meine frau wieder in den Arm nehmen können. Zwischendurch wurde Luca krank. Schüttelfrost und hohes Fieber. Durch die enge Zelle steckte er natürlich auch Giulio und mich an. Nach einer Woche waren wir wieder gesund und dann war es mit meinem Besuch auch schon wieder soweit. Vorher sollte mir beim Arzt ein Muttermal punktiert werden um es zu untersuchen. Statt zu punktieren hat es der Arzt gleich ganz rausgeschnitten. Aber was solls, weg ist weg. Außerdem hatte Julio seinen Prozeß. Er war wegen Drogenhandel inhaftiert und er rechnete mit ein paar Jährchen. Bei ihm lief es allerdings besser, als bei mir. Staatanwalt und Verteidiger einigten sich auf 3 Jahre 8 Monate und er kam in den Genuß des sogenannten „Domiziliare“ Das bedeutet, er kann seine Strafe zu Hause verbringen, darf das Haus unter gar keinen Umständen verlassen. Die Polizei hat das Recht zu jeder Tages- und Nachtzeit die Anwesenheit zu überprüfen. Mit der Zeit gibt es dann Lockerungen und oft ist es so, das man nach der Hälfte der Zeit einmal täglich auf die Polizeiwache muß um eine Unterschrift zu leisten, und ansonsten frei ist. Am gleichen Tag von Giulios Entlassung kam schon wieder ein Neuer zu uns in die Zelle. Carlo, er war schon seit 2 Jahren in Monza im Knast, arbeitete in der Bibliothek und hatte nur noch kurze Zeit vor sich. Er wartete jeden Tag auf seine Entlassung, da er einen Antrag auf „Liberazione Antizipate“ gestellt hatte. Das macht man am Ende eines jeden halben Jahres. Wenn man keinen Mist gebaut hat, werden einem 45 Tage der Strafe erlassen. Da aber die Mühlen im Gefängnis nur sehr langsam mahlen, kann die „Gutschrift“ schon mal 6 bis 10 Wochen dauern. Naja jedenfalls wartet Carlo auf seine Gutschrift und die damit verbundene Entlassung.
So long Euer Peter Pan.

Knast in Monza Teil 13 Besuch, Familie, Schule
Außerdem war mir auch noch erlaubt die Schule im Knast zu besuchen. Ich hatte einen Antrag für den italienisch Kurs gestellt und bei der Aufnahmeprüfung sollten wir ein paar Sätze niederschreiben und mussten etwas auf Landessprache vorlesen. Das klappte bei mir anscheinend so gut, das ich anstatt in den Grundkurs, gleich in die reguläre Schule (so was wie die Hauptschule bei uns) aufgenommen zu werden. Ich fragte den Prüfer, ob es nicht besser wäre erst mal die Sprache zu lernen, aber er meinte, ich solle mir keine Gedanken machen, die Sprache würde ich nebenbei lernen. Na ja, mir sollte es recht sein. So hatte ich vier halbe Tage die Woche Schule, lernte ein paar nette Jungs kennen, die nicht ganz so bescheuert waren. Die Zeit verging viel schneller und Spaß machte es auch noch. Englisch Mathematik und Naturwissenschaften waren von Anfang an kein Problem und italienisch und Geschichte fielen mir von Stunde zu Stunde leichter und ich machte alles in Allem gute Fortschritte. Turnschuhe hatte ich inzwischen von meinem Vater bekommen und so ging ich dann morgens beim Hofgang Laufen, machte dazwischen meine Gymnastik und freundete mich mit ein paar Jungs von unserer Station an und gewöhnte mich so allmählich an mein Knastleben. Einer von den Jungs, ein Tunesier, Faical sein Name, hatte 18 Jahre bekommen. Er hatte seiner Frau die Kehle durchgeschnitten und ihren Bruder mit dem Messer lebensgefährlich verletzt. Seit 16 Jahren war er in Italien, immer nur gearbeitet und ein netter Kerl. Nach seiner Aussage fing alles damit an, das seine Frau ihren Bruder in das Haus aufnahm, da dieser keine Arbeit, kein Geld, keine Zukunft hatte. Faical ging jeden Tag arbeiten und sein Schwager hing den ganzen Tage zu Hause rum und begann zu saufen. Statt zu ihrem Mann zu halten, hielt die Frau aber zu Ihrem Bruder und die Situation wurde immer unerträglicher. Außerdem stellte Faical fest, das sein Sohn sich immer merkwürdiger verhielt. Eines Tages fand er blutige Unterwäsche seines Sohnes und auf Fragen wand dieser sich vor einer Antwort. (Anmerkung Coolkurt: Diese Geschichte erinnert mich stark an JO JO`s Story, nur das es bei JO JO viel glimpflicher ablief.) Als er später seine Frau zur Rede stellte, beschimpfte diese ihn als Versager und alles Mögliche. Ihr Bruder wäre trotzdem immer noch tausendmal mehr wert als er.. Und dann sah er wirklich rot, nur noch rot………………… Als er wieder zu sich kam, lag seine Frau tot am Boden. So saß er über 1 Tag, in einer Art Schockzustand mit seiner toten Frau in der Wohnung und wartete auf ihren Bruder, um sein blutiges Handwerk zu beenden. Als der Bruder dann kam und das Haus betrat, gab es ein Handgemenge bei dem der Bruder mittelschwer verletzt wurde, aber entkommen konnte. Als die Polizei das Haus stürmte, saß Faical immer noch mit dem Messer in der Hand neben seiner toten Frau und ließ sich gewaltlos festnehmen. Bei ihm mit in der Zelle saß ein Inder wegen Anstiftung zum Mord. Sehr viele saßen wegen bewaffnetem Raubüberfall, zwei Großdealer habe ich kennen gelernt und ansonsten saß alles kreuz und quer beieinander. Einige wegen Ladendiebstahl…..
Wie schon gesagt, ich gewöhnte mich so langsam an die Knastroutine und dann kam der 28. Januar 2005 Besuchstag! Doch davon mehr im nächsten Brief.

Knast in Monza Teil 14 Peter Pan erzählt
Morgens war ich wieder früh auf und wie beim ersten Besuch meines Vaters ging alles glatt und um halb zehn öffnete sich dann die Tür zum Besuchsraum und ich sah meinen Sohn und meine Frau seit über 3 Monaten wieder zum ersten Mal. Auch diesmal war mein Vater wieder mitgekommen. Ich kann es nur noch einmal wiederholen. Es ist ein Glück einen solchen Vater zu haben, dafür bin ich sehr dankbar. Wir begrüßten uns überschwenglich, drückten und küssten uns, ich befühlte den Bauch meiner Frau, der Babybauch war schon deutlich zu erkennen. Dann setzten wir uns und hätten am Liebsten alle gleichzeitig gesprochen. Diesmal hatte man uns 3 Stunden genehmigt. Es lief alles wie beim letzten Mal nach 1 Stunde mussten alle wieder für eine halbe Stunde in den Zwischenraum und zurück. Wir besprachen, das meine Frau von Belgien nach Deutschland zieht in die Nähe meines Vaters, da Sie doch bald nicht mehr in unserem Restaurant arbeiten konnte. Alleine mit einem 6 jährigen Sohn und in Erwartung eines Babys, wäre das einfach zuviel gewesen. Viele andere Dinge sprachen auch noch für einen Umzug. Die zeit verging, natürlich viel zu schnell und der Abschied tat mir weh. Im März sollte sie mich wieder besuchen und schon ging es zurück in meine Zelle. Dort erfuhr ich das inzwischen mein Zellengenosse Luca entlassen worden war. Wieso das so plötzlich war weiß ich nicht. Mein Vater schrieb mir später, das sie Luca beim Verlassen des Gefängnisses kennen gelernt hätten. Luca konnte ihnen noch beim bestellen des Taxis helfen. Am nächsten Tag, Samstag Nachmittag wurde dann Carlo genauso überraschend entlassen. Die Gutschrift für vorzeitige Entlassung war endlich angekommen. Lange alleine blieb ich nicht, nach 2 Stunden kam ein Neuer. Claudio etwa mitte zwanzig, leicht übergewichtig, aber ein angenehmer Zeitgenosse. Er entstammt einen „alt eingesessenen“ wie soll man sagen, Verbrecherfamilie. Quasi alle männlichen Angehörige des Familienclans waren schon mal im Bau oder saßen gerade. Sein Onkel hatte es sogar zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Franco Coro wurde sogar in mehreren Büchern erwähnt, die sich mit dem Verbrechen beschäftigen. Sein Vater saß auch zur Zeit in einem Gefängnis in der Nähe und seine Mutter und die beiden Schwestern pendelten wöchentlich ins eine oder andere Gefängnis. Claudio war verhaftet worden, nachdem die Polizei mehrere Razzien wegen Drogen durchgezogen hatte. Fast 30 Leute mit Nahmen, ich hab das Protokoll gesehen, hatten ihn beschuldigt

Luca und Carlo hatten ihren Wein dagelassen, und so tranken wir am ersten Abend jeder ¾ liter Wein. Für mich der, fast, erste Alkohol seit meiner Verhaftung, und ich war ganz schön breit. Am nächsten Morgen gings mir schlecht und seitdem habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Sonntags war die Zweisamkeit allerdings wieder vorbei, denn sie brachten einen unangenehmen dicken Typen, dem sie auf der vorherigen Station die Augen blau geschlagen hatten. Ein hektischer Dicker, der die ganze Zeit irgendwas am Meckern war. Wenn man Ihn zurechtwies, hielt er ne zeitlang die Schnauze, aber dann ging es wieder von vorne los. Außerdem schnarchte er wie wahnsinnig. Zwischendurch machte er Geräusche, die man nicht mehr als schnarchen bezeichnen konnte. Mir fehlen die Worte dies auch nur annähernd zu beschreiben. Das ging so weit, das ich mir abends einen Besenstiel mit ins Bett nahm und wenn es dann gar nicht auszuhalten war, mit dem Besenstiel mehrmals auf den Eisenhocker schlug, der sich neben seinem Kopf befand, der Dicke schlief ja auf dem Boden, da er als letzter kam. Ich an seiner Stelle hätte sofort gerade im Bett gestanden. Er war wohl unempfindlich dagegen und räusperte sich nur kurz und schnarchte weiter. Claudio warf hin und wieder mal ne Plastik- Wasserflasche nach ihm, aber auch das half nicht viel. Wenns ganz schlimm wurde, half nur ein Schlag auf Arme oder Beine. Aber auch das hat er nicht groß registriert, da er ja gut gepolstert war. Früher fand ich immer Mitgefühl mit solchen Außenstehenden, im Knast hat sich das total geändert. Meine Einstellung ist jetzt: Sieh zu das Du mit Dir selbst klar kommst und halte Dich fern von mir. You are not welcome! Also habe ich dem Dicken klar gemacht, das er sich ne andere Zelle suchen soll. Da es sonst kein gutes Ende nimmt. Ich weiß, das so was schändlich ist, Mir tut der Typ auch leid, wer weiß wo er jetzt hinkommt und was sie dort mit ihm anstellen? Aber wie gesagt, den Luxus über solche Dinge nachzudenken, den leiste ich mir inzwischen nicht mehr. Erst mal sorge ich dafür, das ich durch den ganzen Mist einigermaßen gut durchkomme. Als zweites sehe ich zu, das es mir besser geht. Und zum Schluß kommt der ganze Rest. Jedenfalls war es nach ein paar Tagen dann auch so weit, dass der Dicke verlegt wurde. Noch am gleichen Tag fragte ein Typ aus ner anderen Zelle, ob er zu uns verlegt werden könnte. Claudio und ich fanden ihn soweit in Ordnung und so waren wir wieder zu dritt. Am nächsten Tag zog Marco zu uns in die Zelle. Wir kamen gut miteinander aus und die nächsten Tage verliefen ohne Zwischenfälle. Eines Abends, ein paar Tage später, legte Marco uns die Karten: Für Claudio kam heraus, das es gute Nachrichten vom Anwalt geben sollte und bei mir hieß es „ Cambio letto“ , das heißt wie „ das Bett wechseln“ . Ich machte mir nicht allzu viel Gedanken darüber, doch es kam mal wieder anders…….

Knast in Monza erste Verlegung Teil 15
Es ging mir also soweit ganz gut. Ich war der Zellen Capo, die Zelle mit allem Möglichen ausgestattet, von meinen Vorbewohnern. Schule und Sport verkürzten mir die Zeit. Mit Claudio und Marco kam ich gut aus und am 18. März sollte mein nächster Familienbesuch stattfinden. Die Zeit verlief ohne große Zwischenfälle, außer das jemand Marco in der Wartezelle, nachdem er seinen Besuch empfangen hatte, und darauf wartete, das es wieder nach oben in die Station geht,…… die Nase brach.

Es gab wohl Streit wegen irgendwas Unwichtigem und der Typ hat ihm gleich ohne Vorwarnung einen Kopfstoß ohne Vorwarnung auf die Nase versetzt, so das diese von nun an schief in seinem Gesicht stand. Vom Gefängnisarzt gab`s ein Pflaster und eine Überweisung ins Krankenhaus. Das lies allerdings eine Woche auf sich warten. Dann allerdings holte man Marco morgens ab und nachmitags war er wieder mit gerader Nase wieder zurück

Ein paar Tage später kam Mittags ein Wärter, (Anmerkung Coolkurt, Auch wir Krankenpfleger werden schon mal Wärter genannt, obwohl wir nicht im Zoo arbeiten), in die Zelle und meinte, Marco solle seine Sachen packen, er würde verlegt. Wir waren alle überrascht, da er keinen Antrag gestellt hatte, um in ein anderes Gefängnis verlegt zu werden. Verlegungen werden in Italien gerne als Strafe benützt, natürlich nicht offiziell, und so mutmaßten wir, das die Verlegung Strafe für die Prügelei war.

So waren wir dann mal wieder zu zweit und das blieb sogar für ein paar Tage so.
Sonst noch zu erwähnen blieb noch, das ich im Juli ein EKG bei einem befreundeten Arzt von Monkeyman machen ließ, da ich öfters starke Herzschmerzen hatte. Dieser stellte damals fest, das ich in nicht näher zu bezeichneter Vergangenheit eine Art Mini Herzinfarkt hatte. Er riet mir ab in der nächsten Zeit nach Thailand zu fliegen. (Die geplante Reise war der Grund für meine Untersuchung) . der Arzt fragte mich wann der Flug geplant sei,

Irgendwann, Wochen später, rief man mich in den Untersuchungsbereich, wo ich an ein antiquirtes EKG angeschlossen wurde. Nachdem ich verkabelt war, zeigte das EKG aber nur eine Null Linie, wobei die Krankenschwester meinte, ich sei wohl tot. Das wars dann auch mit dem EKG und der weiteren Kontrolle. Außerdem hatte ich seit Januar ab und zu Zahnschmerzen, die immer wiederkehrten. Also setzte man mich auf eine Warteliste und telte mir mit, das das 2 bis 3 Monate dauern könne. Bisher nie Probleme mit den Zähnen, kaum im Knast, und schon geht es los…
Tja und dann kam Freitag der 25. Februar…….

Ich war gerade dabei im Hof meine Runden zu drehen, als ein Beamter meinen Namen rief und mich zum Eingang des Gebäudes rief. Ich dachte mir nichts besonderes dabei, denn es kam öfters vor, das man gerufen wurde, um etwas in Empfang zu nehmen. So ging es also Richtung Büro. Man sagte mir ich solle nach oben auf meine Staion gehen, was mich doch sehr verwunderte. Oben angekommen sagte der Beamte: Packen Sie ihre Sachen, sie werden verlegt! Keine Aussage wohin, warum, ich musste an das Karten legen denken…

Ich hatte ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits hatte ich mich in Monza ganz gut eingelebt, andererseits hörte ich von allen Seiten, das Monza ganz übel und es in den anderen Gefängnissen viel besser sei. Da es schon etwa 10.00 Uhr war, und ich noch packen musste, konnte der nächste Knast ja nicht so weit weg sein, sonst hätten sie mich ja morgens früh aus dem Bett geholt. Dazu passte auch, das ganz in der Nähe ein neues Gefängnis fertigestellt worden war. Ich war der Meinung, ich komme dort hin. Bolate hieß der Ort, ein Gefängnis für 100 Leute. Einbettbelegung, die Türen offen und jede Menge Vergünstgungen, es seien sogar Computer erlaubt. Als ich fertig mit Packen war, tauschte ich noch ein paar Adressen aus und verabschiedete mich von einigen Leuten auf der Station. Es ging dann mit Sack und Pack durchs ganze Gebäude, bis zum Eingang, wo ich im Oktober eingeliefert wurde. Dort standen schon mehrere Plastiksäcke im Flur, ich war wohl nicht der Einzigste, der verlegt werden sollte. Ich stellte meinen Sack ab und wurde in eine Wartezelle geführt, in dem schon 6 Leute von meiner Station auf die Verlegung warteten. Dann wurden wir alle einzeln ins Magazin gerufen. Wir alle spekulierten, wohin die Reise gehen würde, aber keiner wusste was. Nach über 3 Stunden durfte ich ins Magazin. Da standen all die Sachen, die sie mir bei meiner Verhaftung abgenommen hatten. Die Sachen wurden in kleine Rucksäcke verpackt, das wurde ganz schön eng. Der Beamte meinte, ich solle mir meine Zahnbürste rausnehmen, für die Nacht, da wir erst morgen verlegt würden. Dann wurde ich in meine alte Zelle geführt, wo Claudio mich ungläubig begrüßte, da er dachte, ich sei schon seit Stunden auf dem Weg. Am Abend spekulierten wir noch ein wenig und versuchten den Wärtern etwas zu entlocken, aber die hielten dicht. Da ich der Meinung war, meine Situation würde sich verbessern, und nichts vom Höllentrip ahnte, der mir noch bevorstand, schlief ich ruhig über die Nacht. Um fünf Uhr Morgens wurde ich geweckt, doch die Story erzähle ich Euch im nächsten Brief.

Knast in Cassino Teil 16 Die Überführung

Auch Claudio stand mit mir auf und kochte uns noch ein Tässchen Kaffee und während ich mich wusch, rasierte und die Zähne putzte. Wir rauchten noch ein paar selbstgedrehte Zigaretten zusammen, vor ein paar Wochen war ich aus Kostengründen auf Tabak umgestiegen, schließlich musste meine Familie das bezahlen. Außerdem rauchte ich so weniger. Mit einem Pack kam ich locker eine Woche aus. Um 6 Uhr ging die Tür auf und wir verabschiedeten uns endgültig. Draußen war es noch dunkel, kalt und es regnete. Was für ein Anfang.. Ich und die 6 anderen Jungs der Station wurden wieder in die Wartezelle geführt. in der Wartezelle warteten bereits 20 Leute und die gegenüberliegende Zelle war auch voll. Alles in Allem etwa 50 Leute zur Verlegung. Vor Eintritt in die Zelle wurden die Zigaretten abgenommen. In der Wartezelle wurde erneut spekuliert, wo es wohl hingehen wird. Hin und wieder wurden Namen aufgerufen und so langsam leerte sich der Raum. Von unserer Station waren schon alle weg, so kam ich mit einem Peruaner ins Gespräch dessen Spitznahme „Cipolla“, was soviel wie Zwiebel heißt.

Um halb neun wurde dann auch endlich mein Name aufgerufen. Auf dm Flur legte man mir wieder die unbeweglichen Handschellen an. Im Magazin musste ich dann zusehen wie ich mit fesseln mein 2 Rucksäcke, meine Reisetasche und die Tüte mit meinen Papieren nach draußen bekomme. Das Gepäck kam in den unteren Teil des Busses und wir durften einsteigen in den Gefängnisbus. Die rechte seite des Busses war ganz normal mit 2 Sitzen bestückt. Auf der linken Seite waren 10, total kleine Minizellen eingebaut mit jeweils 2 unbequemen Plastiksitzen und sehr eng, das man mit den Knien anschlug. So saßen mein Nachbar und ich wie 2 Ölsardinen in einer Blechdose. Die Fenster auf unserer Seite waren natürlich mit Eisenplatten verschweißt und dann wurden noch in jeder Minizelle die Türen verriegelt. Die Türen bestanden aus Lochblech, so das man im Halbdunkel saß. Das Schlimmste war jedoch das man uns die Handschellen nicht abnahm. Als Lunchpaket hatte jeder 0,5 ltr Wasser einen Minifruchtsaft, 2 trockene Brötchen und 2 kleine Dreieckkäse bekommen. Um 09.00 Uhr war der Bus dann endlich voll und es ging los. Auf unsere Frage Wohin geht es denn? Kam nur die Antwort: Das werdet Ihr schon noch sehen.

Freundlich und geistreich, ganz wie man sie kennt- die Staatsdiener. Wir brummten los, immer noch in der Hoffnung, in das neue Nachbargefängnis zu kommen. Doch die Fahrt wollte nicht enden, so das es wohl woanders hingehen musste. Inzwischen hatte ein Marokkaner hinten im Bus sein Bedürfnis angemeldet. Es hieß…. Ja ja bald halten wir an. Als es immer länger dauerte schimpfte der Marokkaner zuerst, bettelte und weinte schlussendlich. Irgenwann wurde es den Beamten zuviel und der Bus hielt an. Man fragte, wer noch auf die Toilette müsse und alle sagten ja. An einer Autobahnraststätte wurde man dann von jeweils 2 Bewachern einzeln zur Toilette geführt. Bereits nach 40 Minuten hatten alle Ihr Bedürfnis verrichtet. Es war nun 13.00 Uhr und wir fragten, ob nicht zum Essen die Handschellen abnehmen könne. Nein war die kurze klare Antwort. Auch Rauchen war nicht möglich und nicht erlaubt. Es hieß, wenn Ihr ankommt habt Ihr noch genug Zeit… Kicher….Kicher.

Die lange Fahrt verursachte Knie, Rücken und vor allem Handgelenksschmerzen. Es war kühl und feucht im Bus und ab 16.00 saßen wir völlig in einem dunklen Bus. Nix für Leute mit Platzangst. Irgendwann fing der Marokkaner wieder an zu jammern und um 17.00 Uhr gab es die 2. Pinkelpause, wie gehabt. Als es weiter ging, war uns alles die Lust zum Scherzen vergangen. Im Bus war es still und kalt wie in einer Leichenhalle. Endlich, gegen 20.00 Uhr fuhr der Bus langsamer und es machte sich die Hoffnung breit, bald am Ziel zu sein. Nach einer weiteren Stunde und zahlreichen Kurven auf einer Landstraße sahen wir ein Gefängnistor…..

Es stellte sich aber heraus, das hier nur 12 Leute einziehen. Für uns restliche 8 hieß es abermals warten. Um 22.00 Uhr ging es dann endlich weiter. Erst um 23.30 Uhr erreichten wir unser neues zu Hause. Wir konnten es kaum erwarten diesem dunklen Käfig zu entkommen und die elenden Handschellen los zu werden. Mit Rauchen war nix, keiner hatte Tabak, hoffentlich bekommen wir den gleich. Der Höllentrip war zu Ende, dachten wir……
Wir hatten nicht damit gerechnet das sich der diensthabende Offizier noch ein paar nette Spielchen für uns ausgedacht hatte. Wir waren seit 14 ½ Stunden in diesem Bus permanent in Handschellen. Uns war kalt, wir waren müde und völlig deprimiert. Wir waren hungrig und gierig nach einer Zigarette. Doch das Alles war noch nicht genug……..
Ja und das erzähl ich Euch im Brief Nummer 17
Euer Peter Pan

Teil 17 Knast in Cassino, Ankunft und vorläufige Unterbringung

Als wir 10 Minuten später die Schleuse ins Gefängnis passiert hatten, fuhr der Bus noch einige Meter weiter und hielt dann endlich, endlich, endlich…… an.
Der Motor ging aus, und ich wusste, das wir gleich aus diesem Grab, so kam es mir vor, rauskommen würden.
Nach verteufelt langen 15 Minuten schloss man endlich unsere Käfige auf und unser aller einzigst Gedanke war: RAUS HIER Draußen goss es noch immer in Strömen, aber das war mir egal wie nur sonst was. Aufrechtstehn und frei atmen können, nur das zählte im Moment für mich……

Als wir alle vor dem Bus versammelt waren, wurde die Gepäckklappe geöffnet und jeder suchte seine Habseligkeiten zusammen. Bepackt wie die Maulesel, immer noch in Handschellen, stapften wir über die Betonwege, die unter Wasser standen. Mangels ausreichender Beleuchtung konnte man nicht viel sehen und der Weh schien kein Ende zu nehmen. Die Rucksäcke hielten nicht auf den Schultern, da ich meine Arme, auf Grund der Handfesseln nicht durch die Trageschlaufen stecken konnte. Die Rucksäcke fielen permament zu Boden und sogen sich mit Wasser voll. Außerdem hielt ich vor meinen Beinen meine Reisetasche, sowie die Tüte mit den Büchern, so dass ich mir wie eine japanische Geisha vorkam… nur trippelnde Schritte…

Schuhe, Kleidung und Gepäck waren inzwischen klitschnass… und dann sahen wir endlich den Eingang, in dem 3 Uniformierte auf uns warteten. Als ich in Rufweite war, schrie mich einer sogleich an, deutete auf mein Gepäck und meinte, was das ganze Zeug solle….
Ob wir denken. Ob das hier ein Hotel sei? Und überhaupt… hier herrschen andere Sitten! Mein Gefühl sagte mir sofort, das wir hier so schnell nicht zur Ruhe kommen würden….. was sich dann auch leider bewahrheitete:

Teil 18 Vorläufige Unterbringung aus Brief 39

Um den Eindruck vorzubeugen, wir hätten wirklich viel Zeugs dabei gehabt. In der Reisetasche waren die Sachen drin, die ich bei meiner Verhaftung bei mir hatte, bzw. aus meinem Auto mitnehmen durfte. Diese Sachen werden im Magazin eingelagert und wandern bei Verlegungen von Knast zu Knast. Die Tüte mit den Büchern, war auch nicht die Welt. Ein Rucksack voll mit Handtuch, Bademantel, Waschzeug und Badeschlappen und im Zweiten ne Hose, Turnschuhe, Pullover, T-Shirts und Unterwäsche. Basta!
Als wir alle im Gebäude waren, wurden wir dann noch mal gemeinschaftlich zusammengebrüllt. Dazu war einer dabei, der, so kam es mir vor, ausschließlich zu diesem Zweck zu gebrauchen war. Von größe und Aussehen her an Frankensteins Monster erinnernd, ohne Übertreibung, stand er etwa 15 Zentimeter vor seinem jeweiligen „Opfer“ und brüllte, wie man das sonst nur aus amerikanischen Army Filmen kennt, sein Gegenüber so an, das die Speichelflöckchen nur so flogen. Wie Pulverschnee kams auf uns herab…. Nur ekliger. Anfangs kam es mir noch ein wenig witzig vor, es wikte alles so irreal… als ob man sich in einem Film bewegt, dessen Regisseur zuviel LSD geschluckt hat. Doch dieses Gefühl verging sehr schnell, spätestens, als ich merkte, das dies leider doch kein Film war, sondern die alles übertreffende Realität Den Rest der Rocky Horror Picture Show beim nächsten Brief.
Machts gut alle zusammen!
PS: Heute war der dritte Bericht über eine eventuelle Amnestie in der Zeitung. „Die Zustände seien unhaltbar. Selbst der Justizminister scheint einverstanden. Wer Lust hat, kann mir die Daumen drücken. Ich drück sie auch für Euch.
So long Käpt`n Peter

Brief 41 Teil 19 vorläufige Unterbringung

Vor dem Dienstzimmer des Wachhabenden stellten wir dann unser Gepäck ab und wurden in den gegenüberliegenden Raum gesperrt, der wohl der Besuchsraum war. Franki, wie ich ihn im Geiste nannte, gab uns noch den Hinweis bloß nicht zu rauchen, falls jemand Taback/Zigaretten versteckt haben sollte, sonst könnte er sich gleich auf ne Einzelhaft gefasst machen.

Auch der Besuchsraum versprach nicht viel Gutes. Im Gegensatz zu Monza, gab es hier keine Tische, sondern 2 lange, sich gegenüberstehende Bänke, die durch eine Art Tresen mit aufgesetzter Glasscheibe voneinander getrennt waren. Hier war wohl nix mit umarmen und zusammen Plätzchen mampfen…..
Und dann kam der Erste und leider auch Letzte Lichtblick des Tages – das Abnehmen der Handschellen. Was für ein Gefühl……. Nach über 14 Stunden. Wie eine Erlösung kam es mir vor und wird mir wohl immer im Gedächtnis bleiben. Dann ging die Warterei wieder von vorne los. Etwa alle 10 Minuten wurde einer von uns nach draußen gerufen. Dies ging alphabetisch von statten, so dass ich als Peter Pan unglücklicherweise als letzter an die Reihe kam. Ich wurde also aufgerufen und ins Zimmer des stellvertretenden Kommandanten geführt.

Als erstes mussten alle persönlichen Dinge wie Uhr, evtl. Schmuck einschließlich meines Eherings abgegeben werden. Danach musste man sich komplett entkleiden, und während Franki die Kleidung umständlich und penibel durchsuchte, stand man ziemlich verletzlich und verlegen splitternackt mit drei Uniformierten vor dem Schreibtisch des Diensthabenden

Nachdem ich mich dann wieder anziehen durfte, gab es mehrere Formulare zu unterschreiben und anschließend ein Belehrung oder Unterweisung, von der ich allerdings, außer dem rüden Ton nicht viel verstand. Zurück auf dem Gang nahm ich mein Gepäck an mich und es ging in den nächsten Raum. Dort gab es weiter nichts, als einen Tisch auf dem eine überdimensionale Haushalswaage stand.
Anmerkung Coolkurt:
Ob die wohl die Peter Pan Story gelesen hatten und nun die ausgehöhlten Brötchen für die WBB (copy by Bernhard) waschbrettbauchkandidaten abwogen ? Nicht ganz ernst zu nehmender Kommentar

Franki zeigte auf mein Gepäck, dann auf die Waage und sagte: „Otto kilo“. Acht Kilo meines Gepäcks durfte ich behalten, der Rest würde zurück nach Monza geschickt. Was für ein Schwachsinn….Ich breitete also meine Habseligkeiten auf dem Boden aus, Franki legte den nassen Rucksack auf die Waage und so blieben mir noch 7 Kilo. Interessehalber stellte ich die Tasche mit den Büchern auf die Waage. 6 kilo… na Danke. Am Ende blieben mir: Bademantel, Handtuch, Waschzeug, Hose, Pullover, Unterwäsche und Turnschuhe.
Ich fragte noch einmal was mit dem Rest passiert, doch die Antwort blieb die Gleiche- zurück nach Monza. Ich kann es nur nochmals wiederholen. Was für ein unnötiger Schwachsinn und alles nur um uns zu zeigen, wer hier der Boss ist. Als wenn wir das nicht schon lange gewusst hätten…..

Brief 42 vom 26.10.05 Teil 19 20, 21 Fortsetzung vorläufige Unterbringung

Danach brachte man mich noch zum Arzt. Scheint wohl eine Vorschrift zu sein. Auch wenn es inzwischen mitten in der Nacht war und ich daher die Unlust des Arztes verstehen konnte- aber solch einen **ups**Wortfilter aktiv* habe ich selten „kenengelernt“. Der hat mich behandelt, als ob ich das allerletzte Dreckschwein bin. (Sorry für die Wortwahl, aber ich kann es nicht anders sagen). Wie schon gesagt, ich dachte es liegt an der gestörten Nachtruhe, aber später musste ich feststellen, das die ganze „Sanitäts-Mischpoke“ uns alle wie Dreck behandelte. So was wie hier, habe ich in sonst keinem der Gefängnisse erlebt……….

Werde Euch im Laufe der Geschichte noch ein paar Begebenheiten erzählen. Auf seine Frage, nach gesundheitlichen Problemen gab ich an, das ich oft Schmerzen im Herz-Brust-Bereich habe, und das ein EKG angeordnet wurde. Daraufhin nahm er sein Stehoskop, hielt dieses an meine Brust und nach einer Zeit in der mein Herz maximal 2 bis 3 mal geschlagen hatte, war seine Untersuchung mit dem Ergebnis, das keine Probleme vorliegen würden, abgeschlossen. Mit einer Handbewegung, die an Abfälligkeit nicht mehr zu überbieten war, scheuchte er mich aus dem Raum.

Auf dem Rückweg gab`s im Magazin noch Bettwäsche und ich war froh, das ich endlich ein Bett bekommen würde. Aber anstatt nach oben zu den verschiedenen Stationen, ging es zu einem ewig langen Gang in den ältesten Teil des Gebäudes. Auf meine Frage, wieso ich nicht auf Station komme, erklärte mir FrankiL inzwischen verhielt er sich ziemlich normal und ich fing schon fast an, ihn zu mögen, da ich eine Schwäche für schräge Typen habe:
Das das Gefängnis überfüllt wäre und ich erst mal in eine Sammelzelle für:
Neuankömmlinge, Randalierer und Junkies komme. Sobald „Oben“ was frei würde, dürfte ich sofort wechseln

Es war natürlich nicht völlig finster in der Zelle, da vom Gang und vom Fenster etwas Licht hereinfiel. Der Raum war recht groß, etwa 4 mal 5 Meter und es gab 2 Stockbetten und ein einzelnes Bett, also 5 Schlafplätze insgesamt. Die Stockbetten waren belegt und das Einzelbett war frei, was mich wunderte, aber nicht davon abhielt, meinen Platz provisorisch einzurichten. Nach kurzer Zeit wurde einer der vier Jungs wach, kroch aus dem Bett um mich zu begrüßen und bot mir eine Zigarette an. Die erste Kippe seit einiger Zeit. Selten fand ich rauchen so befriedigend. Hatte ich schon erwähnt, das mein Tabak bei der Durchsuchung eingezogen wurde? In diesem Gefängnis waren nur Zigaretten erlaubt, kein Tabak. Das hieß also, bis zum nächsten Einkauf an Andere angewiesen zu sein. Nach kurzem Gespräch schleppte sich der Typ zurück auf seine Matratze und ich tat es ihm nach und schlief innerhalb eines kurzen Augenblickes ein. Am nächsten Morgen war ich schon früh wach und schaute mir die Zelle etwas genauer an. Was für ein Saustall. Alles versifft und noch nicht mal ein Besen oder ne Kehrschaufel vorhanden. Es gab sogar nen extra Raum mit Tür, in dem sich eine Toilette, ein Waschbecken und eine Dusche befanden. Aber hier drinnen sah es noch schlimmer aus. Dusche und Klospülung funktionierten…………….
nicht, aber wenigstens am Waschbecken gab es Wasser. Inzwischen waren die anderen 4 Jungs auch aufgewacht. 2 Marokkaner und 2 Italiener, alles Neuzugänge. Die beiden Italiener waren Junkies auf Entzug und die beiden Araber auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Inzwischen hatte ich feststellen können, warum keiner mein einzelnes Bett haben wollte. Die Matratze sah aus, als ob sie 5 Jahre in einem dunklen feuchten Keller gelegen hätte. Meine Stimmung war auf dem absoluten Tiefpunkt und dies sollte auch noch einige Zeit so bleiben. Aber davon mehr im nächsten Brief.

„Wenn man denkt, es geht nicht mehr,
kommt von Irgendwo ne noch größere Keule her,
….oder wie ging der Spruch???

Teil 22 aus Brief 43 vom 07.11.2005

Wie gesagt, meine Stimmung war nicht die Beste und mein neues Umfeld trug auch nicht gerade dazu bei, dies zu ändern. Hofgang gab es Keinen, die Junkies lagen im Bett und stöhnten und schleppten sich einmal am Tag zur Tür um ihre Medizin in Empfang zu nehmen und über die Nordafrikaner schreibe ich am Besten gar Nix. Sonst gehe ich am Ende hier im Forum noch als Rassist - was absolut nicht der Fall ist, ein. Der ganze Mist ging mir dermaßen auf den Wecker, das ich keinen Bock hatte, etwas zu Essen .

Nachdem ich nach 3 Tagen den größten Hunger überwunden hatte, nahm ichs sportlich und beschloss einfach so lange nichts zu mir zu nehmen, bis man mich auf eine normale Station verlegen würde. Ich hängte die Sache nicht an die große Glocke, sondern trug meinen Kampf still und leise für mich alleine aus. Mit der Zeit fällt so etwas auch dem unaufmerksamsten Mitmenschen auf und nach weiteren 4 Tagen rief man mich zu einer Psychologin.
Die Frau war ganz nett, muß ich sagen. Ich hab e Ihr meine Story so gut ich konnte, erzählt, und Sie meinte, Sie versucht zu helfen. Leider habe ich nie mehr was von Ihr gehört. Am nächsten Tag jedoch durfte ich endlich raus aus diesem Loch und wurde auf die Station verlegt.
Im Moment geht es etwas schleppend mit der Story.
Ich weiß, aber Kommentare wie, das wir alle Verbrecher sind, die es verdient haben, zu leiden, tragen auch nicht gerade dazu bei, meine Schreibfreude zu heben. Ich könnte hin und wieder mal ein freundliches Wort gebrauchen.
Peter Pan

Teil 23 aus Brief vom 19.11. 2005-11-22

Es ging also zurück durch den Teil des alten Gebäudes und mit jedem Schritt, den ich mich entfernte, von der Gruft, hob sich meine Stimmung. Nach etlichen Biegungen und ein paar Treppen kam ich dann endlich in der „Dritten“ an. Ich wurde mit einem Albaner namens Marco zusammen gelegt. Er hatte 4 Jahre wegen Waffenschmuggels bekommen und war seit einem halben Jahr im Knast. Ein schweigsamer, immer schlecht gelaunter Typ, vor dem alle Angst hatten, was aber unbegründet war, wie ich schon nach kurzer Zeit feststellen konnte. Eigentlich war er gar nicht so verkehrt, aber nichts passte ihm, alles war immer **ups**Wortfilter aktiv*, usw. Das ging einem mit der Zeit doch auf den Wecker. Die Zellen waren fast genauso wie in Monza und etwas schmaler, dafür zog sich aber das Bad über die gesamte Länge der Zelle hin. Da konnte man die Wäsche zum trocknen hinhängen. Außerdem gab es Abends für eine Stunde heißes Wasser am Waschbecken. Echt ein Luxus. Bewegungstechnich war es zwar ein ziemlicher Mist, das die Zellen noch enger, als die in Monza waren, andererseits war es hier unmöglich noch eine dritte Person reinzuzwängen, was natürlich einiges für sich hatte. Vieles war hier besser als in Monza, aber einiges auch schlechter,.
Die erste Sache, die mir schon gleich am nächsten Morgen auffiel, Niemand kam ein, und veranstaltete dieses Fenstergitterklopfen wie in Monza. Außerdem gab es zu den Brötchen zusätzlich Brot zu Frühstück, dafür aber gerade mal nur ne halbe Tasse Milch pro Person….
Außerdem kam morgens ein Beamter vorbei, der in eine Liste eintrug, ob jemand zum Arzt oder ins Büro wollte. In Monza musste man etliche Anträge stellen und hoffen, das man irgendwann mal vorgelassen wurde. Allerdings waren die Duschmöglichkeiten im Gegensatz zu Monza recht eingeschränkt. Duschen war nur morgens zwischen 08:15 Uhr und 09:00 Uhr erlaubt. An sich kein Problem, aber bei 50 Leuten und nur 3 Duschen, konnte es schon sehr hektisch werden. Dazu kam noch erschwerend, das es immer wieder Phasen gab, in denen es nur aus der Leitung tropfte, oder gar kein Wasser gab. Dafür hingen aber glücklicherweise keine offenen Kabel in der Gegend rum, so wie in Monza. Draußen im Flur, neben der Dusche, war sogar ein Fön angebracht.
So long Euer Peter Pan

Teil 24 Brief vom 22.11.2005

Der Knast lag in einem Ort namens Cassino zwischen Rom und Napoli. Meine Zelle befand sich im dritten Stock, so das ich über die Mauern hinweg sehen konnte. Und so wenigstens mit meinen Augen ein wenig am Leben draußen teilhaben konnte. Geradeaus gesehen von meinem Fenster aus, war eine riesige Baustelle auf der es immer was zu sehen gab. Links war ein Autohändler, dem man ab und zu beim Verkaufsgespräch zusehen konnte. Das Schönste aber, war die Lage an sich. Der Ort lag in einer Tiefebene umrahmt von hohen, schneebedeckten Bergen in der Ferne und kleineren Ansiedlungen in der Nähe. Echt schön zu betrachten. Nachdem ich monatelang nur grauen Beton gesehen hatte, gab mir dieser Ausblick ein Gefühl von Ruhe und Frieden.
Selbst beim Hofgang konnte man die Umgebung betrachten. Statt, wie in Monza, nur von hohen Mauern umgeben zu sein, waren hier Metallgitter in den Beton eingelassen, was gleichzeitig noch Gelegenheit zum Sitzen gab. Hier machte der Haftgang richtig Laune, besonders als Anfang März die Sonne sich des öfteren zeigte. Leider war der Hof ziemlich klein, so das mit Laufen erst mal Schluß war. Sonstige Möglichkeiten Sport zu treiben, gab es auch nicht. Aber Hauptsache, das ich erst mal wieder auf einer normalen Station war. Zu meiner Freude traf ich hier den Peruaner namens Cipolla wieder, den ich am Morgen der Abfahrt in Monza kennen gelernt hatte. Ein netter Kerl und so war der Anfang nicht ganz so schwer, als wenn man ganz alleine auf sich gestellt ist.
Alles in Allem war ich jedoch sehr bedrückt. Weniger wegen der neuen Umgebung, im großen und Ganzen, war es hier ja besser als in Monza, doch davon später mehr. Mir war klar, das ich meine Familie auf nicht absehbare Zeit nicht sehen würde, das machte mir am meisten zu schaffen. Besonders, da ich mich schon so sehr auf den geplanten Besuch am 18. März gefreut hatte. Erschwerend kam noch hinzu, das man mich erst nach 6 Wochen zum ersten Mal nach Hause telefonieren lies. Das lag daran, das es Niemand gab, der Deutsch oder Englisch verstehen konnte. Also musste ich erst mal wieder einen Antrag stellen, um ohne Zuhörer telefonieren zu können.
So long Peter Pan

Teil 25 Brief vom 09.01.2006 (Poststempel Italien, Briefkasten Deutschland 11.01.06)

Was es mir ei wenigleichter machte, war wie gesagt die schöne Umgebung und das der Frühling sich so langsam vorkämpfte.
Auch die Leute auf der Station waren im Großen und Ganzen soweit in Ordnung. Keine totalen Spinner oder Schlägertypen dabei. Einer, Marco, hatte seine halbe Kindheit in England verbracht und sprach perfekt englisch. Das war natürlich nicht übel, so konnte ich mir Verschiedenes auch mal auf englich im Detail erklären lassen, da mein italienisch leider immer noch recht rudimentär war. Dann gab es noch einen „Scrivante“, Sandro, der Stationsschreiber. Ein Mithäftling, der dafür zuständig war, für uns Anderen Anträge und sonstigen Schriftverkehr zu erledigen. Der kannte sich spitzenmäßig mit den Gesetzen aus und war eine große Hilfe für viele. Von Ihm erfuhr ich mehr, was meine Strafsache betraf, als von meinem Anwalt. So zum Bsp. Das meine Geldstrafe mit etwas Glück erlassen wird, wenn ich am Ende meiner Strafzeit den entsprechenden Antrag stelle und nachweisen kann, das ich kein Vermögen, oder nur wenig Einkommen habe. Des Weiteren, das ich mich glücklich schätzen kann, nur nach § 73 bestraft worden zu sein. Normalerweise hätten sie mir auch noch die § 81, 80, 64, und 74 geben können. Dann gäbe es keine Aussicht auf Amnestie und so was. Ich wäre auch in einer Hochsicherheitsstation. Also bin ich ja wohl noch mal ganz gut weggekommen.
Dann gab`s noch nen Chinesen der sinnigerweise China hieß. Der hatte ein Schachspiel und so kam ich auch wieder zum spielen. Meistens spielten wir in der Zeit während des Umschluß 2-3 Partien. Unsere Gruppe bestand aus Cipolla dem Peruaner, Marco, der englisch sprach, China, dem chinesichen Chinesen und mir dem Tedesco.
Bei den ersten Partien sah ich noch ganz schön alt aus, da ich in den letzten Jahren fast gar nicht mehr gespielt hatte. Aber das änderte sich schnell, besonders, nachdem mir meine Schwester und ihr Mann ein Lehrbuch schickten. Von da an war ich ein „gefürchteter“ Gegner und die Sache fing an, richtig Spaß zu machen.
Die „Öffnungszeiten“ waren besser als in Monza. Hofgang war in etwa gleich. Morgens und Nachmittags je 2 Stunden. Umschluss gab es jedoch 2 mal täglich. Zum Mittagessen und zum Abendessen jeweils für etwa 1,5 Stunden. Zusätzlich wurden Nachmittags eine Stunde nach dem Hofgang alle Zellen für 1 Stunde offen gelassen. Das war cool. Da konnte man auf dem Gang spazieren, Leute in Ihren Zellen besuchen, oder …..Schachspielen.
Einkaufen konnte man 2 mal pro Woche und als der „Spesino“, also der Häftling der die Spesen (Einkäufe) bringt, bei mir vorbeikam, stellte sich heraus, das dieser perfekt Deutsch sprach, da er viele Jahre in Stuttgart gelebt hatte. So hatte ich 2 mal die Woche die Möglichkeit für ein paar Minuten deutsch zu sprechen, was ganz gut tat. Von Ihm erfuhr ich auch, das man sich für Sonntag Vormittags süße Bachwaren von der Bäckerei bestellen kann. Habe das dann auch mal probiert, ein Wahnsinn, aber meiner Diät abträglich und so habe ich es dann schweren Herzens sein lassen.
Das essen war im Vergleich zu Monza spitzenklasse. Jedoch sehr knapp bemessen, was mir jedoch recht war. Dafür war das Obst, das wir erhielten Mist. Na ja man konnte ja Obst auf Spesen einkaufen. Tabak gab es auch nicht auf Spesen zu haben und so musste ich wieder auf Zigaretten umsteigen. Das war natürlich viel teurer für meine Familie und außerdem ärgerte ich mich so sehr über diese willkürliche Maßnahme, das ich mich am 6.4.2005 dazu entschloss endgültig und ernsthaft mit dem Rauchen aufzuhören. Dies ist mir bis zum heutigen Tage gelungen. Und wenn ich ehrlich bin, war es auch gar nicht soooooo schwer, nachdem die Entscheidung erst mal gefallen war. Wichtig dabei für mich war, das es eine willentliche, ernsthafte, aus meinem INNEREN kommende Entscheidung war und nichts „Aufgesetztes“ mit vorgeschobenen Psyudogründen. Ich WOLLTE einfach nicht mehr, ernsthaft weiter zu wollen und es mir andauernd zu verbieten. So was funktioniert nicht auf Dauer. (An dieser Stelle darf man mich auch mal loben)

Teil 26

Ich lebte mich schnell ein und alles war soweit ok, bis auf das ich keine Erlaubnis hatte zu Hause anzurufen und das durch die große Entfernung Besuch kaum möglich war. Das hört sich hier und jetzt etwas salopp an - zur damaligen Zeit hat es mich jedoch schwer belastet. Aber ich bekam viel Post und schrieb selbst viele Briefe. Auf diese weise fühlte ich mich nicht völlig von Allem abgeschnitten. Der Frühling kam mit großen Schritten, bald würde meine Familie ein Mitglied mehr haben, zu Hause war alles geregelt, alle wohlauf und das Abnehmen ging zusehends schneller. So verging also der erste Monat relativ ruhig und noch vor Ende März hatte ich so die 80 kg Grenze erreicht. Die Zahnschmerzen kamen wieder – mit ungekannter Heftigkeit – doch einen Zahnarzt bekam ich leider auch in diesem Gefängnis nicht zu Gesicht. Ich ließ mich mehrere Male zur Arztvisite eintragen, wurde aber nie ernst genommen und wie der letzte Dreck behandelt. Auf meinen Hinweis, auf das fehlgeschlagene EKG in Monza reagierte man mit Achselzucken. Nach der dritten Visite stand es mir dann auch Oberkante Unterlippe und Zahnschmerzen und Herzschmerzen hin oder her… nach weiteren Begegnungen stand mir nicht der Sinn und so verbiss ich mich lieber ins Kopfkissen, wenn es mal wieder mit den Zähnen losging. Eines Morgens jedoch, sofort nach dem Aufstehen, ich stand gerade am Waschbecken, wurde es mir schwarz vor Augen, in den Ohren ging ein Pfeifkonzert los und die Beine knickten mir einfach so weg. Ich hatte wohl einen Mordslärm verursacht und so stand Marco, der eben noch im Bett lag, vor mir und versuchte mich auf die Beine zu stellen, was ihm jedoch nicht gelang. Ich bekam das alles nur so halb mit und konnte nicht mal ne Hand heben. Daraufhin wurde es meinem Zellengenossen mulmig und er rief nach dem Diensthabenden, der dann auch nach ein paar Minuten auftauchte. Dem gefiel wohl auch nicht, was er sah und so ging er zurück in sein Räumchen und rief auf der Krankenstation an.
Die nahmen es jedoch locker und so teilte er uns bei seiner Rückkehr mit, das ich mich, wenn ich dann wieder stehen könne, mit Hilfe meines Zellengenossen auf den Weg zur Krankenstation machen sollte. Die Tür ließ er offen. So half mir Marco dann erst mal in eine „Schocklage“ gebracht. (Beine hoch, Kopf runter) und so allmählich kehrte wohl auch etwas Farbe in mein Gesicht zurück. Nach weiteren 5 Minuten machten wir uns dann auf den langen Weg, mir kam es jedenfalls so vor, durch den halben Gebäudekomplex und über 3 Stockwerke. Wie dann dort weiterging erfahrt Ihr beim nächsten Mal

Euer
Peter Pan

Teil 27

Mit mir und meinen Bodygards waren wir dann also zu neunt in einen recht kleinen Raum gedrängt. Dann hieß es Strümpfe und Schuhe ausziehen, T-Shirt bis zum Hals hochziehen und ab auf die Liege zum EKG machen. Nachdem die Sensoren an meinen Fußgelenken angeschlossen waren, gab es etwas Gel auf die Brust und die restlichen Elektroden wurden mit kleinen Saugnäpfen fixiert. Da sich natürlich niemand die Mühe machte die betreffenden Stellen zu rasieren, hielten die Teile nicht so recht. Zwei der Saugnäpfe fielen immer wieder nach ein paar Sekunden ab. Nach dem 4 ten oder 5 ten Versuch gab die Schwester es auf und sagte ich soll mein T-Shirt drüber ziehen. Die Teile fielen natürlich genauso wie vorher runter, was aber niemand mehr störte, da dies ja nicht zu sehen war. Meine Bemerkung wurde überhört und dann wurde das EKG geschrieben. Nach maximal 15 Sekunden wurde abgeschaltet. Der Arzt zog den Papierstreifen aus dem Gerät,“ich solle mich wieder anziehen“ und dann ging es ohne jede weitere Erklärung in umgekehrter Reihenfolge zurück in den Knast.
Fragen brauchte ich keine mehr zu stellen. Ich hatte auch so kapiert. Der Knasti hat Probleme- um sich abzusichern gegen eventuelle spätere Beschwerden, geht es ins Krankenhaus, dort gibt es pro Forma lari-fari Untersuchung. Thema abgehakt- der Nächste bitte. Um mehr ging es da nicht…
Also hakte auch ich das Thema in Gedanken ab und hoffte, ich hoffe immer noch, das ich in Deutschland, wenn ich dann mal da bin, anständig untersucht werde.
Einmal stellte ich allerdings nochmals einen Antrag, um mit dem Arzt von der Drogenabteilung zu sprechen. Ich wartete schon seit Monaten auf meine Anerkennung als Drogenabhängiger. Wie das ablief, erfahrt ihr beim nächsten Mal.
So long PP

Teil 28 Brief vom 29.04.2006
Etwa zwei Wochen nach meinem Antrag wurde ich dann in das Büro des Drogendocs gerufen. Außer dem Arzt war auch noch ein Psychologe anwesend. Die Beiden behandelten mich ziemlich herablassend und ihre erste Frage war, warum ich mich erst 4 Monate nach meiner Festnahme als Drogenabhängiger deklarieren würde. Meine wahrheitsgemäße Antwort war, das ich bei meiner Einlieferung ins Gefängnis kein Wort italienisch sprechen konnte und ich auch erst jetzt erfahren hatte, das ich als Abhängiger unter Umständen eine Therapie statt Knast machen könnte, Darauf grinsten die Beiden mich überheblich an und meinten: „Ja, ja das wollen sie alle“. Auch das die Werte des Drogentestes, der bei meiner Einlieferung gemacht wurde, sehr hoch war, schien die Zwei nicht zu beeindrucken. Nach einigen weiteren belanglosen Fragen wurde ich dann zurück in meine Zelle geschickt und hörte nie mehr was von der Sache. Zwei weitere Versuche in den beiden nachfolgenden Strafanstalten blieben erfolglos und ich weiß bis heute nichts genaues über meinen Status…. Ob anerkannt, oder nicht. Damals war ich allerdings noch voll Hoffnung in dieser Sache und schrieb unzählige Therapiezentren an, was natürlich recht mühsam war bei meinen it. Sprachkenntnissen. Doch Sandro, der Stationsschreiber, half mir dabei und korrigierte meine Versuche und nach 3-4 Durchgängen war dann jeweils ein Brief fertig zum abschicken. Die Versuche blieben jedoch erfolglos, da es viel zu wenig Therapieplätze gibt. Irgendwann, nach 3 bis 4 Wochen bekam ich dann endlich die Erlaubnis nach Hause zu telefonieren und Gott sei Dank waren alle wohlauf. Der Babybauch meiner Frau wurde immer runder und wir alle, samt meinem Sohn freuten uns riesig auf unseren Nachwuchs. Sehr viel Aufregendes gibt es aus dieser Zeit nicht weiter zu erzählen. Auch hier gab es eine Bücherei, jedoch keine deutschsprachigen Bücher, wie in Monza. Sportmöglichkeiten gab es absolut gar keine und so konzentrierte ich mich darauf, meinen Bauch zu trainieren und erreichte an guten Tagen 1000 Sit ups in 30 Minuten oder auch 400 Stück in Folge ,ohne Pause. Das wird so manch einer bezweifeln, aber ich garantiere für jedes Wort das ich hier schreibe die volle Wahrheit. Inzwischen bin ich jedoch von dieser Technik abgekommen. Wie bei vielen Dingen auch hier: Weniger ist mehr. Sehr langsam, sehr betont und mit Gewicht ist meine heutige Technik. Eine Wäscherei, wie in Monza gab es leider nicht – also alles schnell während dem Duschen mit der Hand waschen und dann zum Trocknen in der Minizelle aufhängen. So hatte man noch weniger Luft zum Atmen. Ich erfuhr, das es hier nicht selten zu Übergriffen seitens der Beamten auf die Häftlinge kommen würde. Nach dem Schema: Nachts um 3 Uhr oder 4 Uhr Zelle auf, drei Wärter rein…. Knüppel aus dem Sack… und nach 3 oder 4 Minuten ist die Sache, in diesem Fall der Häftling, erledigt. Der Ehrlichkeit halber muss ich jedoch sagen, das ich persönlich nichts in dieser Art mitbekommen habe. Anfang April 2005 also etwa nach 5 Wochen rief man mich zum „Casellario“, bei dem werden persönliche Gegenstände des Häftlings gelagert und Pakete entgegen genommen. Meine Sachen, die ich aus Monza mitgebracht hatte und die dann wegen Überschreitung der 9 kg Grenze wieder den gleichen weg zurückgingen, waren dann über den normalen Postweg, wieder bei mir gelandet. Was ein Schwachsinn, das Ganze hin und her. Natürlich habe ich mich über meine Sachen gefreut. Dann starb der Papst und alle hatten große Hoffnungen das es eine Amnestie, „Indulto“ gibt. Das Thema wurde auch groß in den Zeitungen behandelt, aber Ihr wisst ja wie es ausging. Ein paar Tage später rief man mich ins Büro. Der Termin für mein „Apello“ (Berufung) war festgesetzt worden auf 03.05.2005. Ob ich dabei anwesend sein möchte, fragte man mich. Was für eine Frage… Natürlich wollte ich. Da das Berufungsverfahren in Mailand stattfand, hatte ich natürlich große Hoffnungen in einem Gefängnis dort bleiben zu können, anstatt so weit im Süden zu sitzen. Dann wäre auch wieder ein Besuch möglich…

Über die letzen Tage im Cassino in der Nähe Roms und der Reise nach Mailand und den Verlauf des Berufungsgerichts in Mailand dann in Teil 29 im nächsten Brief
Euer

Peter Pan

Teil 29 Post vom 03.05.2006

Die letzten Tage in Cassino. Also noch 4 Wochen bis zum Appello und große Hoffnung, das der Prozess diesmal besser für mich ausgehen würde. Mein Anwalt hatte mir eine Kopie unserer Darstellung geschickt, mit der ich soweit einverstanden war. Auch hatte ich aus Deutschland ein polizeiliches Führungszeugnis, aus dem hervorging, das ich mir noch nichts zu Schulden habe kommen lassen. Und dies nicht aus dem Grund, das ich vorher niemals erwischt worden war, wie es hier im Forum schon mal behauptet wurde, sondern weil ich mir bis auf die Zeit in Belgien/Holland wirklich nie etwas Illegales getan habe. Außerdem lebte ich in geordneten Verhältnissen, verheiratet, ein Kind, Arbeit. Argumente, die eigentlich für mich sprechen sollten. Von allen Seiten bekam ich zu hören: „1 ½ Jahre, mindestens 1 Jahr ziehen sie dir ab beim Appello. Das machte mir zwar Hoffnung, andererseits blieb ich jedoch lieber vorsichtig mit meinen Erwartungen, was auch gut so war. Es gabt noch mal die Gelegenheit, die Haare schneiden zu lassen, was ich auch gerne tat, da ich mir dachte, so ein gepflegter Kurzhaarschnitt mach bestimmt einen guten Eindruck vor Gericht. Die Aktion hätte ich mir jedoch genauso gut sparen können, wie ihr später noch erfahren werdet. Was sonst noch? Ich hörte auf Kaffee zu trinken. Da vorher zu einem Kaffee auch immer eine Zigarette gehörte, entschloss ich mich lieber auch den Kaffee zu lassen, um nicht unnötig in Versuchung zu kommen. Ich durfte mein 2. Telefonat führen. Frau, Kind, Baby, Vater und Mutter alle waren ok!!! Hin und wieder trudelte eine Absage bezüglich Therapieplatz ein. Ich aß sehr wenig und was Ende April auf 77 kg runter. Im nachhinein muss ich aber sagen, das ich zu dieser Zeit viele Fehler bezüglich der Ernährung machte. Erstens kommt es viel mehr darauf an, was man zu welcher Zeit isst und in welchem Verhältnis die Nährstoffe zueinander stehen, statt immer weniger und weniger zu essen. Seit Anfang März esse ich 6 mal pro Tag!! Bei sinkendem Körperfettanteil. Unglaublich, aber wahr. Inzwischen waren es nur noch ein paar Tage bis zum Appello und die innere Anspannung wuchs mit jedem Tag, der verging. Meine Familie würde beim Prozess anwesend sein und ich machte mir mehr Gedanken um unser Wiedersehen, als um die Verhandlung selbst. Auch hatte ich keine Infos wann und wie ich von Cassino/Rom nach Mailand verfrachtet würde. Von den Mithäftlingen wusste ich von 3 Alternativen: 1. Ähnlich wie bei meiner Anreise von Monza im großen Gefängnissbus. Dann jedoch mit 2, 2 oder 3 Stops einschließlich Übernachtung in anderen Gefängnissen. So ne Art Sammeltransport mit Zwischenstationen. 2. mit nem Kleinbus ohne Stop und 3. per Flugzeug, was auf der Beliebtheitsscala natürlich ganz oben stand. Aber welche Transportart in Frage kam, erfahrt Ihr im Teil 30 des nächsten Briefes
Euer
Käpt`n Pan

Teil 30 Brief vom 02.07.2006

Ja, und dann am Abend des 28.04.2005 kam einer der Wächter und meinte ich soll mein Zeugs im Laufe des Abends zusammenpacken, da ich morgen nach Mailand überführt werden würde. „Wecken 05:oo Uhr“ An diesem letzten Abend teilte mir Marko dann mit das er Mano hieße und nicht Marko, oder wars umgekehrt. Das nur mal so am Rande, als Beispiel dafür was ich früher schon mal mit komischer Typ angedeutet hatte. Um 05:oo Uhr wurde ich geweckt und dann ging es mit sack und pack durchs ganze Gefängnis bis ich schließendlich wieder dort landete wo mich Franky etwa 9 Wochen vorher empfangen hatte. Diesmal waren es jedoch 3 Beamte in Zivil, die für mich zuständig waren und mich anständig behandelten. Meine Sachen und auch ich wurden peinlichst durchsucht und dann hieß es „viel zuviel Zeug“. Ich darf nur mitnehmen was in einen dieser Kunststoffsäcke passt, da wir mit dem Flugzeug reisen. Eine gute und eine schlechte Nachricht. Immerhin besser als 2 schlechte Nachrichten dachte ich mir. Selbst für die wichtigsten Sachen war der sack zu klein. Ich presste mit Gewalt meinen Toilettenkram herein, wobei ein Rasierer zu Bruch ging und ich mir den Daumen fast bis auf den Knochen aufschnitt. Das alles um halb sechs Uhr morgens- fing ja gut an. Die Zeit war knapp und ein Arzt so schnell nicht zu erreichen. Der Diensthabende und meine 3 Begleiter machten schon lange Gesichter, da ihre Planung durcheinander kam .Rambomäßig riß ich mir ein Stück Plastiktüte ab, wickelte es um meinen Daumen und versiegelte dies mit Paketband. Die Jungs machte große Augen, fragten obs denn wirklich so ginge und wenn ja, dann aber los jetzt. Die Fahrt im kleinen Gefängnissbus verlief ohne nennenswerten Ereignisse und nach etwa 1.5 stunden und diversen Formalitäten am Flughafen fuhren wir mit unserem Bus übers Rollfeld direkt bis zur hinteren Einstiegstreppe ans Flugzeug. Ohne Handschellen wäre ich mir mit den 3 Bodygards wohl wie ein VIP vorgekommen. Außer dem Personal war noch niemand im Flugzeug, was wohl auch Sinn der Sache war. Die „normalen“ Passagiere sollten sich wohl nicht durch die Anwesenheit eines gemeingefährlichen Verbrechers gestört fühlen. Der Crew schien es anscheinend auch nicht ganz wohl zu sein in ihrer Haut. Irgendwie verständlich, denn die haben natürlich keine Ahnung mit wem sie es hier zu tun haben und sind dementsprechend eingeschüchtert. Als wir dann die Plätze eingenommen hatten, ich saß am Fenster, 2 Begleiter neben mir und einer hinter mir, wurden mir die Handschellen abgenommen. Wie gesagt, es sollten wohl keine Fluggäste verschreckt werden. Die Die Zivilpolizisten durften ihre Pistolen behalten (Flugsicherheit), nahmen aber die Magazine heraus. Der Flug verlief planmäßig, ein wenig „Small-Talk“ und so gegen halb zehn landeten wir in Mailand. Beim aussteigen gings umgekehrt, erst die Passagiere raus, dann Handschellen und über die hintere Treppe in den Gefängnisbus, der schon auf uns wartete. So war ich also am 29.04.2005 nach zwei Monaten wieder in Milano (Mailand). Ich hatte immer noch die Hoffnung wieder in meinen „alten Knast“ in Monza zu kommen.. Leider hatte man mir bisher die Antwort auf diese Frage verweigert. Wir fuhren schon ne halbe Stunde durchs Verkehrsgewühl und meine Hoffnung schwand immer mehr nach Monza zu kommen. Nach weiteren 15 Minuten hatte sich meine Frage erledigt. Wir standen vor dem Tor von „San Vittore“. Ein Knast mit fast 2000 Häftlingen, hoffnungslos überfüllt und schon ein paar hundert Jahre alt…..
Von dem Laden hatte ich schon einiges gehört. Leider nie was Gutes. Sollte ein echtes „Mords-teil“ sein im wahrsten Sinne des Wortes. Dumm gelaufen dachte ich mir noch und dann ging das Tor auf………
Von den echt unglaublichen zuständen dort hört ihr dann im nächsten Brief.

So long Cäptn Peter

Teil 31

Das Tor ging auf und wie in allen Gefängnissen ging es wieder durch die Schleuse. Als ich endlich auf der anderen (Innen) Seite rauskam war ich erst mal etwas geplättet wie verkommen alles aussah. Überall Müll, der Beton fast schwarz von den Abgasen Mailands. Na klar jeder Knast ist trostlos, aber dieser hier schlug schon beim bloßen Anblick alles Bekannte um längen.
Als erstes ging`s wieder zur “Matricola”. Dort gab`s dann wieder die ganze erkennungsdienstliche Chose (Fotos, Fingerabdrücke, usw.). Das war dann jetzt schon das vierte mal…………
Und wie immer - wenn man “neu” ist wird man erst mal so richtig **ups**Wortfilter aktiv* behandelt. Danach ging es in eine Wartezelle und dort blieb ich dann erst mal für die nächsten Stunden.
Gegen drei Uhr Nachmittags ging es dann ins Hauptgebäude wo ich durch katakombenartige Gänge zum “Casellario” geführt wurde. Dort bekam ich dann Bettwäsche und Eßgeschirr. Diesmal aus richtigem Blech (”Wer einmal aus dem Blechnapf fraß”). Dann ging`s die Treppen nach oben bis ich dann in der eben beschriebenen Halle ankam. Wie gesagt alles war verkommen aber durch die Größe dennoch irgendwie beeindruckend.
Als erstes brachte man mich zur Krankenstation (scheint wohl Pflicht zu sein) und nach ein paar proforma Fragen ging es dann nach oben in den dritten Stock. Ich war in “Raggio” 4 untergebracht, also im vierten Flügel von insgesamt 6 Seitenflügeln. Das Treppenhaus, wenn man es überhaupt so bezeichnen kann, erinnerte an den Film “Im Namen der Rose” so eng und gewunden ging es dort nach oben. Die Vorstellung wie sich dicke, in Kutten gewandete Mönche dort hindurch zwängten drängte sich mir förmlich auf. Und dann kamen wir auch schon vor meiner Zelle an…Nr. 312. Auf beiden Seiten des riesig breiten Ganges gab es winzige Zellen die eigentlich dafür konstruiert waren das sich die Mönche alleine und abgeschieden zu inneren Einkehr zurückziehen konnten.
Doch von alleine und abgeschieden konnte leider keine Rede sein…………………
Als die Tür aufging………………………

TEIL 32 (Die Zelle)

Ja als der Wächter nach dem Aufschließen dann zur Seite trat war ich doch leicht geschockt…. Der “Raum” war noch ein wenig schmaler als die Zellen die ich bisher kannte aber sage und schreibe mit 6 Betten vollgestopft. Alle rechts an der Wand, jeweils drei übereinander. Die Kopffreiheit im obersten Bett betrug schätzungsweise knapp einen Meter. Da die Zelle so schmal war der Eingang nur zur Hälfte zu gebrauchen da der Rest von den Betten versperrt wurde. Links in der Zelle war ein Durchgang der mit einem alten schmutzigen Bettlaken verhangen war. Dahinter befand sich ein schmaler Gang von etwa einem Meter Breite, so lang wie die Zelle selbst. Links in diesem Gang war die “Küche” und rechts am Ende ein Loch im Boden zur Verrichtung der Notdurft (Hier paßt das Wort mal echt). In der Zelle selber standen an der linken Wand zwei sehr schmale Tische (man könnte eher sagen Regale mit Beinen). Am Kopfende gab`s ein Fenster und auch einen Fernseher stand dort. Als Beleuchtung diente eine nackte Glühbirne die an zwei Kabeln von der Decke baumelte. Von dieser wurde auch der Ferseher “gespeist”. In Ermangelung sonstiger Elektrik hatte man einfach den Stecker des Fersehers abgeschnitten und unisoliert einfach an die blanken Enden der Glühbirnen-Leitung “drangepappt”. An der Wand wo die Betten standen war alles dick mit alten Zeitungen zugeklebt um die Feuchtigkeit und den Salpeter zu verdecken. Sechs klitzekleine “Schränke” hingen und standen an den unmöglichsten Stellen - halt da wo noch irgendwie Platz war…………

  1. Tabu76
    18. Juli 2007 00:08

    Sind dann keine Briefe mehr geschrieben worden???
    Würde doch gern wissen wie es weiter geht?

    lg tabu

  2. kronos3003
    30. Juli 2008 03:57

    hallo aus griechenland,
    mich wuerde es auch interessieren was aus peter geworden ist.

  3.