RAF-Frontmann Christian Klar geht frei

Nach Ablauf der Mindesthaftdauer von 26 Jahren wird Klar, führendes Mitglied der „Roten Armee Fraktion“ und an fast all deren Aktionen beteiligt, Anfang 2009 entlassen.
Berlin.
Er hege die Hoffnung, „die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden“, ließ der RAF-Terrorist Christian Klar noch im Vorjahr aus dem Gefängnis verlauten, er wolle den „Aufbruch, den auch […]

Christian KlarNach Ablauf der Mindesthaftdauer von 26 Jahren wird Klar, führendes Mitglied der „Roten Armee Fraktion“ und an fast all deren Aktionen beteiligt, Anfang 2009 entlassen.

Berlin.
Er hege die Hoffnung, „die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden“, ließ der RAF-Terrorist Christian Klar noch im Vorjahr aus dem Gefängnis verlauten, er wolle den „Aufbruch, den auch eben die RAF dargestellt hat“, weitertragen. Reuegefühle seien im „politischen Raum, vor dem Hintergrund unseres Kampfes“ keine Begriffe, so Klar. Dennoch wird der heute 56-Jährige, der an nahezu allen Aktionen der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) an vorderster Front beteiligt war, Anfang nächsten Jahres freikommen. Dies entschied am Montag das Oberlandesgericht Stuttgart. Klar sei zwar uneinsichtig, aber nicht mehr gefährlich, wie ihm zwei Gutachter und die Bundesanwaltschaft bescheinigten. Nach eigenen Angaben denkt der Ex-Terrorist nicht an eine „Wiederbelebung einer Strategie des bewaffneten Kampfes“.

Ohne Reue
Christian Klar war im November 1982 verhaftet und unter anderem wegen neunfachen Mordes zu sechsmal lebenslang und zusätzlichen 15 Jahren Haft verurteilt worden. 1998 hatte das Oberlandesgericht Stuttgart die Mindesthaftzeit auf 26 Jahre festgelegt – wegen „besonderer Schwere der Schuld“. Bundespräsident Horst Köhler lehnte 2007 ein Gnadengesuch Klars ab.

Die Ankündigung der Haftentlassung löste Empörung aus: So sprach etwa der bayerische Innenminister Joachim Herrmann von einer unverständlichen Missachtung des Rechtsempfindens. Klar habe niemals Anzeichen von Reue oder Einsicht gezeigt. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, reagierte mit „tiefer Bitternis“ – „als Polizist, der… mit ansehen musste, wie Menschen auf brutalste Weise getötet wurden“. Michael Buback, der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwaltes Siegfried Buback, findet es zwar „sehr verwirrend, dass eine verhängte lebenslange Haftstrafe nur dann wirklich lebenslang bedeutet, wenn vom Täter noch Gefahr ausgeht“, aber so seien die Regeln, und er werde sie akzeptieren.

Klar, der zu den führenden Figuren der zweiten Generation der RAF gehörte, war immer dabei gewesen: nicht nur beim Mord an Buback, sondern auch beim tödlichen Anschlag auf den Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und bei der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, ebenso wie beim fehlgeschlagenen Raketenwerferanschlag auf die Bundesanwaltschaft. Zum ersten Mal hatte Klar am 5.Jänner 1977 auf einen Polizisten geschossen, am Schweizer Grenzübergang Riehen. Er verfehlte ihn, hatte sich damit jedoch in die erste Reihe der RAF katapultiert. Bei einem Banküberfall in Zürich 1979 zerrte er auf der Flucht eine hilflose Frau aus dem Auto und schoss ihr in die Brust. Nur knapp überlebte sie.

„Keine Gnade verdient“„Die haben genau gewusst, was sie taten, und sie haben bisher keine Reue gezeigt. Ich wäre gekränkt, wenn sie frei kämen“, sagte Waltrude Schleyer, Witwe des prominentesten RAF-Opfers, in mehreren Interviews, zuletzt, als Köhler im Vorjahr die Begnadigung Klars prüfte. „Diese Menschen haben keine Gnade verdient.“ Im Alter von 92 Jahren ist sie vergangenen März in Stuttgart gestorben.

Hanns Martin Schleyer war am 5.September 1977 in Köln entführt worden. Die Regierung Helmut Schmidt stand damals auf der Kippe. Tage- und nächtelang tagten in Bonn Krisenstäbe aus Politikern und Sicherheitsfachleuten. Letztendlich entschied man, den Terroristen nicht nachzugeben, die inhaftierte RAF-Mitglieder freipressen wollten. Schleyer wurde nach 43 Tagen ermordet.

Angebot von Claus Peymann
Wenn Christian Klar am 3. Jänner 2009 – so der voraussichtliche Termin – aus der Justizvollzugsanstalt Bruchsal bei Karlsruhe entlassen wird, könnte er übrigens auf ein Angebot von Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, zurückkommen, am ehemaligen Brecht-Theater ein Praktikum als Bühnentechniker zu machen.

Der ehemalige Burgtheater-Direktor meint, dass der Ex-Terrorist nach der langen Haft eine „Chance zur Rückkehr in die Gesellschaft“ bekommen müsse.

  1. Jay-Jay
    25. November 2008 11:27

    Ob Reue oder nicht, nach dem Gesetz ist Klar aus der Haft zu entlassen. 26 Jahre Knast ist fast ein halbes Leben. Wie lange wird er in Freiheit noch leben? 20 Jahre oder 30 Jahre?
    Je mehr Rummel man über ihn macht um so länger bleibt er in den Köpfen der Menschen. Aber leider werden die Medien ihn immer wieder aufsuchen um ihn zum Quotenrenner zu machen.
    Ich würde dem Klar keine Plattform bieten, dann verschwindet er wieder wo er hingehört. Nämlich ins nirgendwo

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